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Coccolori

Arschprobleme und Arsch haben

ITALY | Sunday, 5 December 2010 | Views [552]

Nachdem ich nun gelernt habe, auf thailändische Toiletten zu kraxeln und mich mit einer Schüssel Wasser zu duschen, war ich überzeugt, auch im Dschungel keine allzu schlechte Figur zu machen. Gedacht, getan.
Nach zwei Tagen mit einem sehr witzigen Nordengländer in Kanchanaburi fuhr ich in den Nationalpark Sai Yok Yai, der nicht weit entfernt ist von der Grenze zu Myanmar.
Dummerweise war ich die einzige Inidividualreisende dort und wurde des Individualreisens bald Leid. Mutterseelenallein wanderte ich durch den Dschungel. Die Bambusstauden, armdick und so hoch wie ein mehrstöckiges Haus, kreischten und knacksten im Wind, ungewohntes Vogelgezwitscher war zu hören und manchmal zeigten sich farbenfrohe Schmetterlinge, von denen sich allerdings keiner vor die Kamera bequemte. Von Elefanten, Tigern oder auch nur einem simplen Gecko keine Spur. Na wunderbar. Nach zwei Kilometern, einer Stunde oder gefühlten zwei Litern Schweiß hatte ich genug und kehrte zum Zelt zurück. Das soll Trekking gewesen sein? Na bravo. Das hatte ich mir aber ein bisschen abwechslungsreicher vorgestellt.
Weit aufregender war da schon meine Verdauung. Hatte ich nun den viel gefürchteten Reisedurchfall oder nicht? Sollte ich vorsichtshalber nach Bangkok ins Krankenhaus zurückfahren  oder nicht? Oder sollte ich vielleicht doch gleich den italienischen Zivilschutz allarmieren. Schließlich ist mit halbfestem Stuhlgang vier Mal pro Tag nicht zu spassen.
Nach langem Hin und Her (die, die mich kennen, wissen, dass dieses “lang” sehr wohl so gemeint ist), entschied ich mich, weiter zu fahren. Scheiss auf den Durchfall.
Es war eine gute Entscheidung. Schon aufregend, durch ein Land zu touren, wo frau allein eine halbe Stunde braucht, um ihre Destination auswendig zu lernen. Geschweige denn mehr von der Sprache kann als Hallo und Danke sagen. Aber ich hatte mal wieder mehr culo als in Wirklichkeit (und die, die mich kennen, wissen, was das bedeutet). Eine junge Thailaenderin, Da, 25, sprach mich im Bus an und lud mich kurzerhand zu sich nach Hause ein.
Unglaublich! Einen ganzen Tag mit einer thailändischen Familie auf dem Land zu verbringen, auf eine spontane Einladung hin. Erst mal wurde ich allen Verwandten vorgestellt, nach traditionellem Händewaschen und Schuheausziehen an den Tisch verfrachtet, um was zu essen. Schon allein das ist ein Abenteuer für sich. Keine Ahnung, was ich gegessen habe. Reis, Fleisch, Gemuese. Weiße und grüne Reisnudeln in süßer Kokosnuss-Sauce zum Nachtisch. Das war das Beste.
Es ist absolut nicht vergleichbar, wie Thailänder und, sagen wir mal, Europäer, leben. Für uns sind das, politisch unkorrekt ausgedruckt, eigentlich Baracken auf Pfählen, mitten in Gerümpel. Im Erdgeschoss ist Zement oder gestampfter Boden. Für den sensiblen Europäer lässt da die Hygiene zu wünschen übrig, zumindest auf den ersten Blick. Das erste Stockwerk ist ein großer Raum mit einem Boden aus Holzbrettern und Spalten, durch die man ins Erdgeschoss sehen kann. Aber pieksauber. Echt. Wirklich sauber, wenn man das Haus von auen sieht, glaubt man es kaum. Mit den Schuhen darf man ja nicht ins Haus und bevor man die Treppe hinaufgeht, muss man sich auch noch die FÜße waschen.
Und gastfreundlich sind sie, die Thailänder! Hand aufs Herz: Wer von uns wurde schon eine Unbekannte einfach so für einen Tag zu sich nach Hause einladen? Sie von hinten bis vorn bedienen? Die Verwandtschaft zusammentrommeln um diese sonderbare Frau zu zeigen? Ihr am nächsten Tag die Stadt (Lopburi) zeigen?
Mir ist das passiert und ich bin wirklich dankbar dafür!

PS: Sollte sich jemand wider Erwarten um meine Verdauung sorgen, mittlerweile befürchte ich, an Verstopfung zu leiden. Sachen gibt's...

 

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