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In 99 Tagen um die Welt

Provinzerfahrung 3 - Mein Job als Helpteache UND Als Farang in Nordostthailand

THAILAND | Sunday, 9 September 2007 | Views [3242] | Comments [1]

Ein Klassenzimmer. Klingt komisch, ist aber so.

Ein Klassenzimmer. Klingt komisch, ist aber so.

Danke fuers Weiterlesen!

Mein Job m Unterricht war sozusagen 'Das Maedchen fuer alles'. Die ersten Unterrichtsstunden, also immer vor neuen Schuelern, erklaerte ich kurz wer ich bin, woher ich komme und was ich hier mache. Anschliessend stellten die Schueler mir Fragen. Und zwar meist genau solche, die ich in meiner Vorstellung schon beantwortet hatte. Daran musste ich mich erst einmal gewoehnen; die ThailaenderInnen sagten selten, wenn sie etwas nicht verstanden hatten, das musste man schon selbst herausfinden. Man erzaehlt erst 5 Minuten etwas in strahlende Gesichter, dann fragt man: 'Did you understand??' und als Antwort ein einstimmiges: 'NO!' Na schoen. Die meisten Stunden in der ersten Woche verbrachte ich damit, die Schueler auf Anordnung einen nach dem anderen zu interviewen nach dem Schema 'Wo wuerdest du gern einmal hinfahren, was moechtest du dort machen usw usw ...' Das heisst, ich durfte eigentlich mehr oder weniger Entertainer vor der Klasse spielen, was mehr oder weniger gut, je nach dem Interesse der Schueler. Vor allem in King-Classes funktionierte es exzellent, weil die Schuler hier wenigstens die Haelfte meiner ironischen Fragen verstanden.

Bei den Kollegen meiner Gastmutter half ich nur Einzelstunden aus, die meist dazu genutzt wurden, mich von der Klasse interviewen zu lassen. Ich musste ihnen erklaeren dass Hitler nicht unser Staatsoberhaupt ist. Ueberraschend auch die Frage: 'Can you swim?' Das koennen in Thailand naemlich nur 10% aller Schueler.

Eine Frage brachte mich am Anfang ziemlich durcheinander. Im Unterricht wurde ich ungefaher zweimal gefragt, ob ich denn maennlich oder weiblich sei. Viele Lehrer auf dem Hof, denen ich vorgstellt wurde, bemerkten bei der ersten Begegnung, dass ich aussehe wie ein Maedchen. Nach der fuenften Bemerkung hatte ich dann auch genug; ich sagte meiner Gastmutter wie 'narrow-minded' ich solche Auesserungen finde, an der Laenge der Haare das Geschlecht festmachen zu wollen. Meine Gastmutter sagte ganz ueberrascht: 'Aber das ist doch ein Kompliment, wenn ein Junge so aussieht wie ein Maedchen. Dann ist er besonders huebsch!!' HUPPS! Ich erklaerte ihr, wie beleidigend im Westen eine solcher Geschlechtervergleich aufgefasst wird. Damit war die Sache fuer mich aber gegessen.

Ansonsten half ich im Unterricht noch dabei, die Technik zu baendigen und nach dem in Thailand beliebten Schema LISTEN AND REPEAT mit den Schuelern Leseuebungen zu machen, sozusagen als Ersatzmuttersprachler.

----------- LOST: ALS FARANG IN ISSAN, DEM NOROSTEN THAILANDS --------

Eine der ersten Sachen, die ich total entsetzt festestellen musste: Die drei Brocken Thai, die ich mir antrainiert hatte, nuetzten mir ueberhaupt NICHTS, jedenfalls nicht zum verstehen. Thai ist zwar Amtssprache, und wird auch in der Schule gesprochen. Untereinander aber sprechen die Menschen laotisch, was sich VOELLIG von thai unterscheidet. Ich verstand also nicht nur nicht nur nicht ein Wort, ich wusste nicht einmal, welche Sprache mein Gegenueber gerade auf mich anwendete. Also gab ich mich gleich geschlagen und bestand auf englisch als Kommunikationsmittel. Das kam nur nicht immer so gut an. Es besteht hier ein Problem: Die Menschen machen zwischen den Farang, den Menschen aus dem Westen, keinen Unterschied. Wer blonde Haare hat, spricht fliessend englisch. Dass englisch fuer mich auch eine Fremdsprache ist, ist den Menschen hier nicht bewusst. Deswegen wird man manchmal wie ein Kulturtrampel angeschaut, wenn du hier anfaengst einfach so englisch zu sprechen. Die meisten finden es aber total westlich und daher cool bis zum Anschlag.

Die Empfehlung an jeden blondhaarigen Westler: Wer einmal wie ein Rockstar behandelt werden will, sollte sich einmal in der thailaendischen Provinz aufhalten.

Es ist einfach nicht zu glauben gewesen. Eine Wegbeschreibung zum Markt: Ich gehe aus dem Haus, die Nachbarn nicken mir freundlich zu, die Kinder winken mir hinterher. Vorbeifahrende Mopedfahrer grinsen mich an, Daumen nach oben, am Strassenrand stehen Menschen und rufen "Hey, how are you" und freuen sich diebisch wenn ich ihnen breit laechelnd mit westlicher Offenheit zubruelle "Yeah, I'm fine, Thank ya! How are you mate?' Auf dem Markt starren alle Leute im Umkreis von 10m alle paar Sekunden zu mir herueber. Jeder der auch nur drei Brocken Englisch spricht probiert diese an mir aus. Ich darf zu einheimischen Preisen einkaufen. Auf dem Rueckweg komme ich an einem LKW mit Kindern auf der Ladeflaeche vorbei, die sofort ihr Spiel beenden, mit dem Finger auf mich zeigen und laut "Farang, Farang!!" und "What's your name?" rufen. Dann brechen sie in bruellendes Lachen aus wenn ich zu ihnen zurueckrufe "My name is Thomas!".

In der Schule das gleiche Bild. Einmal ueber den Schulhof gehend, zieht man alle Blicke auf sich, mit blonden Haaren und blauen Augen. Alle rufen "Hello!" oder "How are you?". Im Unterricht und auch auf dem Hof heoere ich mindestens viermal taeglich "I love you" (Was im Thailaendischen aber kaum eine staerkere Bedeutung als "I like you" hat.) Sehr haeufig hoere ich auch sehr direkt gar nicht schuechtern "You are beautiful/handsome!" Am besten aber immer noch: "You look like Leonardo di Caprio." "No, he looks like from Lord of the Rings!"

So viel Aufmerksamkeit ist mal ganz nett, aber nach zwei Wochen hat die mangelnde Anonymitaet angefangen zu nerven.

An den Nachmittagen habe ich meiner Gastmutter dann dabei geholfen, den GArten auf Vordermann zu bringen. Wir hobe einen Fischteich aus, legten Beete an und pflanzten Lemongrass und einige andere Kraeuter. Dumm nur, dass wir damit in der Regenzeit anfingen; nach einem schoenen Sturm mit Starkregen war der Grossteil der Arbeit leider wieder weggespuelt. Insgesamt war die ganze Angelegenheit sehr schweisstreibend und die Moskitos frassen mich fast auf.

Am Wochenende fuhren wir zu einem sehr schoenen See nache der laotischen Grenze und schwammen im 35C warmen Wasser und liessen es und auf unserem Abteil im schwimmenden Freiluftrestaurant gut gehen. Ungewohnlich nur fuer mich, dass sich meine Gastgeschwister im See die Haare mit Shampoo wuschen.

Allerdings koennte ich es nicht fuer immer in Thailand aushalten. Mein Problem ist die Unehrlichkeit der Menschen. Meine Gastmutter Supjitit und viele ihrer Kolleginnen sagten mir, dass es in Thailand voellig normal sei, nach vorne nicht zu sagen, was man denkt und hintenherum schlecht ueber Mitmenschen zu sprechen. Dies ist sozusagen die Nationaleigenschaft der Thais. Auch mir wurden bei zahlreichen Gelegenheiten Halbwahrheiten erzaehlt. So wollten meine Gastmutter und ich eines morgends zum Morgenmarkt gehen. Man verprach, mich zu wecken. Ich wachte aber erst um 6:00 Uhr von selbst auf, viel zu spaet fuer den Morgenmarkt. Supjitit behauptete, ihr Sohn haette mehrmals laut gegen meine Tuer geklopft und ich sei nicht aufgewacht. Das glaubte ich gleich nicht; ich schlafe nicht wie ein Stein. Spaeter dann stellte sich heraus, dass sie mich nur nicht wecken wollten, damit ich laenger schlafen. Ist zwar nett, aber muss man da so direkt luegen? Es folgten noch einige Ereignisse, die ich aber nicht weiter ausbreiten will. Leider ist fuer mich eine direkte, klare und ehrliche Art eine der wichtigsten Eigenschaften an Menschen. Diese Unehrlichkeit, die Starre, Disziplin und wenige Beweglichkeit waren meine negativen EIndruecke der thailaendischen Gesellschaft. Einmal mehr bin ich froh, im Westen geboren zu sein.

Letzten Montag bekam meine Gastmutter einen Anruf ihrer Professorin von der Fernuniverisaet, an der sie ihr Englisch-Masterdegree absolvieren will. Die Professorin wollte sie ab Donnerstag fuer eine Woche sehen. Ihre Kinder wollte Supjitit daher zu ihrer Mutter geben. Ich erklaerte gleich von selbst, dass ich nach Bangkok fahren wuerde. In der Schule verabschiedete ich mich von allen, die mir ueber den Weg liefen. Am Donnerstag Morgen durfte ich noch einer Hausweihungsfeier teilnehmen,zu der auch Moenche anwesend waren. Bei dieser Zeremonie wird gemeinsam gebetet und Mantras aufgesagt um Unheil vom Haus fernzuhalten. Dem Hausgeist (der in einer sehr reich geschmueckten Huette vor dem Haus lebt, eigentlich ein hinduistischer Brauch) werden Opfer gebracht und es werden die ueblichen Spenden an die Moenche gegeben. Ich durfte mich sogar mit dem hoechsten Moench fotografieren lassen. Allerdings musste ich in die Hocke gehen, denn der Moench muss den hoechsten Punkt im Bild darstellen. Uebrigens gingen die Moenche jeden Morgen in der Kleinstadt herum und sammelten Nahrung. Wieder Szenen wie vom ZDFdokukanal.

Um 9:00 kletterte ich auf den Bus, der mich ueber 600km direkt fuer 8EUR zum Sothern Busterminal nach Bangkok brachte. Von dort aus nahm ich die Linie 3 zur Khao San Road. Wer einmal das echte Harry-Potter-Erlebnis haben moechte, sollte in Bangkok Bus fahren. Der Fahrende Ritter laesst gruessen. Man tritt auf die Strasse, schwenkt den Arm einmal ueber den Kopf (wobei ein Zauberstab zur Verlaengerung gut waere) und der naechste Bus macht eine Vollbremsung, die Tueren springen waehrend der Fahrt auf, man springt an Bord, die Tueren fliegen zu, schnell hechtet man auf einen Sitzplatz, um nicht durch die Frontscheibe zu fliegen. Ein mehr oder weniger freundlicher Schaffner kassiert die 13 Baht ab, der Bus fahert meist mittig auf der Strasse, ist staendig am Hupen und Ausweichen.

Gestern sah ich mir noch den Siam Square an und fuhr mit dem Skytrain. Das Stadtviertel ist ein bisschen zu steril fuer mich, hatte aber auch irgendetwas reizendes und vor allem architektonisch reizvolles. Nachmittags ging ich noch einkaufen, ich handelte eine Hose von 18EUR auf 6 EUR herunter und kaufte noch zwei T-Shirt fuer 4,50 EUR. Heute ging auf den grossen Wochenendsmarkt und kaufte noch ein paar Hemden zu Spottpreisen und eine eigentlich sehr gute kurze Hose fuer 3,20 EUR. Das macht Spass.

An dieser Stelle schliesst sich das Kapitel Thailand. Morgen frueh geht es zum Flughafen. Ich fliege um 11:45 Uhr nach Singapur. Auf Singapur bin ich total gespannt. Ich uebernacht in einem der atmosphaerisch besten Hostels Asiens. Vielleicht finde ich spontan ncoh eine Moeglichkeit der Freiwilligenarbeit, die Farm vor Ort hat leider abgesagt. Es bleibt also spannend, das ist das wichtigste. Und am 26.09.07 geht es dann nach AUSTRALIEN.

Thank you for your attention.

Tags: Culture

Comments

1

Hallo Thomas!

Interessant, Deine echt guten Berichte zu lesen. Ist für mich auch ein bisschen Erinnerung und Bestätigung. Auch kam ich zu den gleichen Beurteilungen bzgl. "alles Etikette" und so weiter.

Dabei erging es mir als BRAUNhaarigem nicht ganz so krass wie Dir ;-)

Alles Gute auf Deiner weiteren Reise,

Dominik.

  Dominik Sep 9, 2007 6:39 AM

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