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whereislinda

Unser Praktikum in Mago IV, Kakamega Regenwald, Kenia

KENYA | Saturday, 16 January 2010 | Views [196]

Jambo, Jambo heißt es wieder...

1 Monat ist es her seitdem ihr das letzte Lebenszeichen von mir erhalten
habt. Ich bin wieder auf der Höhe kenianischer Erfolgserlebnisse!

Es hat sich viel getan. Die Schule hatte im Dezember Ferien, wir waren
dennoch total busy. Dann waren Joost und ich in Uganda (sooo schön!!!) und
nun sitzen wir hier wieder in unserm neuen Haus und die Schule geht los...

So kurz zu unserem Praktikum um euch auf dem Laufenden zu halten, was wir
bereits so geleistet haben. Im Dezember hatten wir 83 Gäste, davon 56
durch unser eigenes Marketing. Im Januar haben wir 153 Gäste davon 86
durch eigenes Marketing, wobei davon die Hälfte nur ein Essen im
Restaurant wünschte. Aber wir sehen Fortschritte! Seitdem wir Schilder
haben, kommen Leute vorbei, wollen das Gästehaus sehen, oder hier
übernachten. Und auch die Reisebüros in Kisumu unterstützen uns doch
manchmal, sowie Kontakte mit Reiseveranstaltern die uns in ihre Liste
aufgenommen haben. Wir hoffen das geht so weiter!!! Aber auf der anderen
Seite sind wir besorgt, dass alles zusammenbricht, wenn wir im Februar
byebye sagen werden. Wir versuchen Sheila so gut es geht zu trainieren und
wir wissen dass sie ihr bestes geben wird.

Unser Chef kommt übermorgen und alle sind am arbeiten was das Zeug hält.
Eigentlich sollte unser neue Fahrer gestern unseren Chef von Flughafen in
Nairobi abholen. Es ist wirklich ein ganz lieber Massai und sehr bemüht,
leider nicht der beste Fahrer.
Also unser Fahrer heißt Moses, ist 25, und kommt aus der Mara. Er war auch  
auf einem tourismus college. Und er hat nur eine Frau. Moses sagt: "Männer  
können so viele Frauen haben, wie sie wollen. Hauptsache sie können sie  
bezahlen. Und es muss Geld an die Eltern bezahlt werden, also die Frau  
muss erst eingekauft werden. Wenn ich mehrere Frauen hätte wie mein Vater,  
dann wären die Frauen nicht eifersüchtig aufeinander! Weil ich geb denen  
ja schließlich Geld!" Und ich sage: "Aha, was bezahlst du denn so, wenn du  
eine Frau kaufst? Oder heiratet ihr auch manchmal aus Liebe und du musst  
nichts bezahlen?" Und er sagt: " Ja also normalerweise bezahlt man so 1-2  
Kühe." Ahhhhh, achsooo... nur 1-2 Kühe, da bin ich ja richtig froh, dass  
mein Papa mich in Ägypten für ein paar Kamele eintauschen wollte. Ein paar  
Kamele find ich cooler als 1-2 Kühe. "Hallo, na was haben sie für dich  
bezahlt?" "2 Kühe und für dich?" "8 Kamele :)"
Und was soll ich sagen, kurz vor Nairobi ruft er an: das Auto sei stehen  
geblieben, das Öl war leer, aber er dachte, er könne noch etwas weiter  
fahren. Nun hat sich unser Chef ein
anderes Auto gemietet und fährt nun selbst und lässt unseren neuen Fahrer
samt verschrotteten Auto in Nairobi. Hoffentlich kann es noch repariert
werden.

Freitag hatten wir hier eine Sonnenfinsternis. Ich habe versucht allen
einzureden, dass die Erde untergeht! Aber leider wollte mir niemand
glauben... Ich hatten dann meine Sonnenbrille auf, leider konnte ich
nichts außer Sonne sehen, aber unsere Automechaniker hatten solche
Schweißerbrillen mit denen man das ganze Spektakel gut anschauen konnte.
Also standen wir alle auf dem Schulgelände mit allen Lehrern und dann
wurde die Schweißerbrille immer weiter in die Runde gereicht.

Huch, jetzt bin ich schon bei gestern, wobei ich doch im Dezember anfangen
wollte.

Im Dezember hatten wir ein Päarchen hier welches ihre Hochzeitsreise
verbracht hatten. Mit denen waren wir in der Mudete Teefabrik. Wir bekamen
weiße Anzüge und eine Cappie und wurden durch die Fabrik geführt. Das war
sehr interessant, die Fabrik ist gut ausgerüstet mit Maschinen, dennoch
haben viele Maschinen eine Macke, und es ist deshalb viel Personal
eingestellt.

Kurz bevor es nach Uganda ging, hab ich Sheila ihr Weihnachtsgeschenk
gegeben. Ich hab ihr Bettwäsche gegeben, Haarklipser,
Weihnachtsservietten, Kämme, Spiegel, Nagelknipser, solche langen
Zahnstocher die man ins Cocktailglas tut mit Bling bling dran, ein
bisschen aussortierten Schmuck und Schminke. Ja riesig hat sie sich über
jedes Ding gefreut. Oh ein Nagelknipser, TOLL!!! wollte ich schon immer
haben. Oh diese langen Zahnstocher-Dinger, TOLL!!!! Eine Haarnadel, ach
wie TOLL!
Ich meinte nur zu Joost: "Solche Dinge, die meine Eltern zuhause
aussortiert haben, die normalerweise aufm Müll gelandet wären und hier
freut sich jemand wie ein Schneekönig!" Am Schluss habe ich ihr dann noch
meine Digicam gegeben und dann wars natürlich ganz aus und vorbei. Man
konnte sie garnicht mehr beruhigen.

Weiter gings nach Uganda am nächsten Tag, wo wir Marcus unseren deutschen
Freund abgeholt hatten. Uganda ist ein sehr grünes und fruchtbares Land,
leider hat es einen schlechten Ruf und nicht allzu viele Touristen, aber
dafür sind die Preise auch um so günstiger. Marcus, 20 Jahre, hat in
Malawi ein Praktikum gemacht und fährt nun mit seinem Fahrrad durch
Tansania, Kenia, Uganda, Ruanda, und wieder zurück nach Malawi. Mutiges
Kerlchen wie ich finde. Aber ein lieber Bursche mit dem ich große Freude
hatte und wir beide froh waren endlich mal wieder ein paar deutsche  
Floskeln auf den Tisch zu
hauen. Wir sind zusammen mit ihm nach Banda Island gefahren. Dazu
mussten wir erst am Zipfel von Kampalla auf eine Fähre, und dann weiter in
einem kleinen Fischerboot. Auf der Fähre gab es wieder viele Leute
die Hühnchen mitgenommen hatten zu Weihnachten und zwar in Plastiktüten
mit Löchern drin, wo dann aus jedem Loch ein Hühnerkopf rausguckte und
gakerrte (schon wieder son Wort was ich noch nie geschrieben hab). Leider
war unser Fischerboot zu spät, sodass wir erst um 7 Uhr loskonnten, wo es
schon stockfinster war und wir noch nicht mal Licht am Boot hatten. Zum
Glück hat der Mond so stark im Wasser reflektiert, dass wir unser Ziel
nach einer Stunde fahren im Finstern gut erreicht hatten.

Da sind wir angekommen auf Banda Island. Eine kleine einsame
Regenwaldinsel mit einer Lodge darauf, geführt von einem britischen
Kenianer. Wir hatten ein großes Zimmer zu dritt und abends, nachts und
morgens, hatten wir immer Besuch von einer Fledermaus. Die hat einen Krach
gemacht und kreiste die ganze Nacht durch unser Zimmer, obwohl wir alle
Türen und Fenster zuhatten, weiß auch nicht wo die herkam. Naja wir hatten
für 14,50 €, Full Board, oder ich sollte eher sagen: FULL FULL board.
Inklusiv im Preis war auch noch der selbstgemachte Bananenschnaps mit über
70 Promille, den ich natürlich, wie ihr euch sicherlich vorstellen könnt,  
sehr genossen habe. Aiiii, den konnte man sogar anzünden und man hatte  
Feuer.
Hier haben wir dann Weihnachten verbracht und gegessen, gegessen,
gegessen, wie das so üblich ist an Weihnachten. Leider hatten wir ein
Unwetter für 3 Tage, nur Regen. Aber wir hatten dafür sogar einen
Weihnachtsbaum und Weihnachtssonnenbrille :)

Auf dem Boot nach Banda Island habe ich übrigens noch einen deutschen
Jungen kennengelernt. Der war auch so 21 oder so... Und er machte sein
Praktikum in einer Schule und lebte in einer Lehmhütte. Da dacht ich nur:
was haben wir fürn Glück, dass wir in so nem schnieken Haus leben. Er hat
also kein Strom, kein Tv, kein Computer, kein Internet. Er hat auch kein
Wasser. Er sagt:" ja dann muss ich immer 3km mit dem Fahrrad zur
Wasserstelle fahren.Aber kein Problem mehr, hab ich mich dran gewöhnt. und
dann komm ich in meine Hütte, schütte das Wasser in eine Wanne, da knie
ich mich dann rein, und so kann ich mich waschen. Ich hätte nie gedacht
dass ich mich mit 3 Litern Wasser sauber machen kann. Und das Wasser ist
so sauber vom Brunnen, das kann ich sogar trinken"

Für Silvester und Joosts Geburtstag sind wir dann nach Jinja gefahren, der
Abenteuer Tourismus Hochburg in Afrika. Dort konnte man echt ALLES machen.
Und Jinja ist auch die Stadt wo der Nil anfängt. Wir hatten unseren
Campingplatz direkt am Nil und puren Sonnenschein. Dat war vielleicht
schön. Joost habe ich dann mit einer Waterraftingtour überrascht. Ich
hatte zwar mega Angst, aber dann hab ich mich doch überwunden, weil ich
wusste, er würd sich darüber freuen. Da saßen wir dann in unserem
Raftingboot. Alle haben immer versucht umzukippen und ich glaub ich war
die einzige die voll Schiss hatte und immer geschrien hat was das Zeug
hält. Aber wir sind dann doch einige Male umgekippt und haben Leute aus
dem Boot verloren. Aber das ist schon nen dolles Gefühl, wenn wir mal  
gekändert sind in der Strömung, man weiß nicht wo oben oder unten ist, und
deshalb hält man die Luft an und wartet bis die Rettungsweste einen  
hochzieht. "Achso hier ist oben! Ich wär jetzt verkehrt geschwommen" Naja  
und selbst danach wurd man
dann so mitgerissen, dass man garnicht ans Ufer schwimmen konnte. Zum
Glück stand immer ein Kajakteam bereit, dass die verlorenen Leute
einsammelte. Die haben nämlich mit ihren Paddeln genug Kraft um zu lenken.

Silvester war ganz komisch. Erst einmal waren wir auf der Suche nach einem
Restaurant. Auf unserem Campingplatz gab es nämlich nur Buffett für 7.50€.
Ja ihr sagt jetzt: Ej ist doch voll billig Lindu!!! Aber nein, für Uganda  
ist das
mega teuer. Da gibts Gerichte für 1-2 Euro normalerweise. Und auch auf dem
Markt, alles viel billiger als in Kenia. Eine Ananas 15 cent, 10 Mangos 15
Cent, dicke Papaja 15 cent, ein Bündel Bananen 15 Cent. Also machten wir
uns mit 15 Leuten auf den Weg und ein lokales Restaurant machte uns dann
das Angebot: Stampfkartoffeln mit frittiertem Fisch und Gemüse und
Pfannkuchen für 1,80 Euro. Im Restaurant liefen dann wie üblich Hühner
rum. Da meinte ich zu Joost:"Guck ma Joost, wir nehmen noch nichtmal wahr,  
dass hier
Hühner zwischen den Tischen herlaufen! Wenn in Dland ein Huhn im  
Restaurant rumlaufen würde, wär das ein
Skandal und hier ist das sooo normal, dass man es nicht mal realisiert."
Juhu und so hatten wir unser Silvestermal. Richtig lecker! Danach meinte
der Koch, dass das Wasser zum Kochen aus dem Nil sei und ich dachte nur:
oh Schreck,ich bin morgen ganz ganz krank. Aber teu teu teu, das Nilwasser
ist gutartig!
Silvester haben wir dann auf dem Campingplatz gefeiert. War irgendwie
komisch. War zwar mit vielen Weißen aber es gab keinen Countdown und es
gab auch kein Feuerwerk. Es war eher so: "Oh es ist schon Mitternacht.
Juhu lasst uns in den Nil springen." Mir war dat ja nen bissl zu kalt. Und
ich hab dort Heath Ledger getroffen, wenn ihr euch die Fotos anschaut-> er
lebt! Und auch der Schauspieler von "Into the Wild" war da, ist auch auf
den Fotos. Und noch eine Polin, die aussah wie meine Mama vor 30 Jahren.

Jaaa, und was soll ich sagen. Danach sind wir zu den Sipi Falls gefahren,
das war vielleicht schön! 3 Wasserfälle verteilt in einer kleinen
unscheinbaren Stadt. Also nicht falls ihr euch wundert: Auf den Fotos ist
ja nur ein Wasserfall, nein es sind 3 mitten im grünen Afrika. Sehr schön,
sehr sehr schön, aber sehr selbst.

Unsere neuen Hotelstudenten sind jetzt auch hier eingetroffen und haben
diese Woche begonnen. Die sind alle total nett! Die nennen mich immer
"Madame", selbst wenn ich etwas frage gibt es nicht "yes" oder "no" als
Antwort. Nein, es heißt immer:"Yes madame, no madame Linda" "How are you  
madame
Linda?" Hach, das find ich immer so niedlich! Da komm ich mir vor wie eine
kleine französische Prinzessin und muss schmunzeln.

Und was ganz tolles neues: wir haben seit Januar ne Haushaltshilfe!
Bombastisch sage ich euch! Die putzt und kocht und putzt und kocht und
geht einkaufen! Das ist sooo toll! Das finden Joost und ich sooo gut, dann
müssen wir nämlich nicht mehr selbst auf den Markt gehen. Ich bin nämlich
schon in meiner genervt-phase und es nervt mich tierisch, wenn ich auf die
Straße gehe, sich ein Haufen Kinder vor mir versammelt und schreit:
"Mzungu, mzungu, mzungu." und nicht mehr aufhört oder andere betrunkene  
Kreaturen plötzlich versuchen meine besten Freunde zu werden.  
Normalerweise haben Joost und ich uns deshalb immer gestritten, wer nun  
einkaufen geht. Aber nun, hach herrlich! Sowas brauche ich in Deutschland  
auch!!!

So was gibt es sonst noch... Ach ja nächste Woche kommt ein Mediateam
vorbei gesendet vom Kenyan Tourism Board. Selbst das Fernsehen kommt. Die
touren durch Western Kenia und müssen Berichte schreiben. Alle sind schon
mega nervös...Die Sensation in Mago!!!
Mit Joost verstehe ich mich auch immer noch unwahrscheinlich gut. Selbst
nach 7 Monaten 24/7. Ist ein ganz lieber :) Nun bin ich nur noch einen
Monat hier, wir haben noch viel vor für unser Gästehaus u.a. eine Messe in
Kisumu. Am 8.2. werd ich Mago verlassen, wir machen einen Stop beim Lake
Bogoria (dort gibt es hot springs :) müsst ihr mal googlen).



Ansonsten gibt es 4 neue Fotoalben:

auf http://picasaweb.google.nl/jcopray

uganda
mudete tea factory
uganda- jinja oder new year
uganda- sipi falls


So ich hoffe ihr seid gut reingerutscht!!!

Ich muss mich nun seelisch auf den Besuch unseres Chefs vorbeireiten!

Das wird wahrscheinlich die letzte Mail aus Kenia sein! Also stellt schon  
mal den Sekt kalt, holt die Partyhütchen raus und grillt mir ne Bratwurst  
:)


Auf wiedersehen! Dieses mal, und kein Jambo jambo!

Machts juti,...

Linda

Tags: afrika, backpacker, backpacking, kakamega, kenia, mago, praktikum, regenwald

 

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