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    <title>Alltag</title>
    <description>Alltag in China (Peking - Shihezi, Xinjiang)</description>
    <link>https://journals.worldnomads.com/ollo/</link>
    <pubDate>Thu, 23 Apr 2026 14:53:29 GMT</pubDate>
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    <item>
      <title>Heimreise</title>
      <description>&lt;p&gt;&lt;img src="https://s3.amazonaws.com/aphs.worldnomads.com/ollo/32730/IMG_0442.jpg"  /&gt;&lt;/p&gt;

 
  &lt;p align="baseline" class="MsoNormal"&gt;Es gibt mehrere Möglichkeiten Xinjiang Richtung Europa zu
verlassen – links rum, über Kirgistan, Kasachstan usw. (erst mit dem Bus, sehr
schwierig), mit dem Flugzeug von Urumqi aus (über Moskau, wenige und meist
teurere Flüge) oder rechts rum mit dem Zug von Urumqi nach Peking. Letztere
Option wäre mir am liebsten gewesen (hätte ich nicht über 30 kg in drei
Gepäckstücken dabei gehabt), auf Zugfahrten erlebt man nämlich meistens
Abenteuer, kriegt man was zu sehen und ein Gefühl für Distanzen (Urumqi -
Peking: 3700 Zugkilometer in 33 Stunden).&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;img src="https://s3.amazonaws.com/aphs.worldnomads.com/ollo/32730/IMG_0363.jpg" /&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p align="baseline" class="MsoNormal"&gt;Mit China Air dauerte es am 25. 12. etwa dreieinhalb Stunden.
Dass ich wegen Nebels mehrere Stunden warten musste (dafür aber einen Kasachen
kennen lernte, der für eine Ölfirma unterwegs war), dass man in Urumqi bei der
Sicherheitskontrolle seine Schuhe ausziehen und in Socken durchs Gatter auf ein
Podestchen muss, das nur nebenbei. Hauptsächlich aber eine Warnung: Wer je am
Flughafen in Urumqi sein und dort in der Halle Lust auf eine Tasse Kaffee
verspüren sollte, der überlege sich das genau, ganz genau, frage nach dem
Preis, auch ein zweites und drittes Mal, lasse sich zur Bestätigung die Getränkekarte
reichen, kurzum versichere sich aufs Genauste, dass er am Ende nicht wie der
Dubel aus der Schweiz 90 Yuan für einen Kaffee zahlt, etwa 10 Euro, womit die
Gastronomie am Flughafen Urumqi wohl einen Kaffeepreisrekord in China aufstellt
(ein Cappucino bei Starbucks im topmodernen Terminal 3, Capital Airport Beijing:
27 Yuan), ich gratuliere.&lt;/p&gt;&lt;p align="baseline" class="MsoNormal"&gt;&lt;img src="https://s3.amazonaws.com/aphs.worldnomads.com/ollo/32730/IMG_0435.jpg" /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p align="baseline" class="MsoNormal"&gt;&lt;img src="https://s3.amazonaws.com/aphs.worldnomads.com/ollo/32730/IMG_0398.jpg" /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;img src="https://s3.amazonaws.com/aphs.worldnomads.com/ollo/32730/IMG_0439.jpg" /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;

&lt;/p&gt;&lt;p align="baseline" class="MsoNormal"&gt;Nach einem Tag in Peking, der mir in bester Erinnerung
bleiben wird – gleichsam an der Hand von Mr. Wang, der die Hauptstadt wie seine
Westentasche kennt, überdies ein ausgezeichneter, so unerschrockener wie
bedächtiger Autofahrer ist und mich durchs moderne Peking mit seinen
Wolkenkratzern und einer Architektur gewordenen Muschel (dem Opernhaus), einem gewaltigen
Wasserwürfel (dem bei Nacht blau leuchtenden olympischen Schwimmstadion) und dem
ebenso beeindruckenden Vogelnest kutschierte (nachdem wir zuvor durch einige
Hutongs spaziert waren und ein Café besucht hatten, wo man Illy-Kaffee
ausschenkte (freilich nicht zu Urumqi-Airport-Preisen)) – und mir am Abend ein
letztes Mahl in kleiner Runde bescherte (wo u. a. ein bis dahin noch nie
gesehenes Fischgericht aufgetischt wurde, das sich optisch gut für eine
Kampagne gegen Folter, die Todesstrafe oder auch nur das Verzehren von Fisch
eignen würde), ging es dann in der Nacht zum 27. 12. mit Hainan Airlines nach
Zürich.&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;img src="https://s3.amazonaws.com/aphs.worldnomads.com/ollo/32730/IMG_0444.jpg" /&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;Hainan Airlines verbindet Peking und Zürich dreimal die
Woche direkt in beiden Richtungen und ist mir bereits auf einem Inlandflug in
China aufgefallen. Und zwar durch einerseits grottenschlechtes Essen und
andererseits den freundlichsten und zuvorkommendsten Service, der mir – als
freilich recht unerfahrenem Flieger – je zuteil geworden ist. So auch jetzt
wieder (nur dass zwischen Peking und Zürich diesmal zwei ganz passable
Mahlzeiten serviert wurden) und auf dem zehneinhalbstündigen Flug vermochte
mich Hainan Airlines (von denen ich weder Geld noch sonstige Vergünstigungen
bekomme), noch mehr zu überzeugen. Zum Beispiel durch eine Selbstbedienungszone
in der Bordküche, wo Tee, Kaffee usw. bereitstehen, sodass man die Wahl hat, wie
bisher sein Getränk serviert zu bekommen oder sich ein wenig Bewegung zu
verschaffen, in der Bordküche mit einer auch um drei Uhr morgens frisch
aussehenden Stewardess zu plaudern und seinen am besten schon halb
ausgetrunkenen O’saft (Turbulenzen!) zu seinem Platz zu balancieren.&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;Weiter besticht Hainan Airlines durch ein «bord
entertainment system», und mit dem kann man Filme ansehen, Musik hören,
Computerspiele machen, sich über eine der besten Fluggesellschaften der Welt
informieren usw. – jeder Passagier hat dazu einen im Rückenteil des Sitzes vor
ihm eingelassenen Touchscreen zur Verfügung. Auf einem Flug über etwa 8000 km
ist so sein System zur Unterhaltung und Zerstreuung recht sinnvoll, ich nutzte
es, um die erste halbe Stunde von «Tree of Life» zu sehen und Musik zu hören.&lt;/p&gt;

&lt;p align="baseline" class="MsoNormal"&gt;Nachdem ich mich durch einige Pop- und Jazzalben gehört
hatte, landete ich schliesslich, schon über Schweizer Boden, bei Sonny Rollins.
Und als sich das Flugzeug eben zum Landeanflug in Zürich anschickte, setzte –
man kann mir das jetzt glauben oder nicht – «On a slow boat to China» ein …
wenn das kein Himmelszeichen oder mindestens ein Wink vom «bord entertainment
system» der formidablen Hainan Airlines ist (von denen ich leider auch
weiterhin weder Geld noch sonstige Vergünstigungen bekomme) – dann weiss ich
auch nicht.&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;img src="https://s3.amazonaws.com/aphs.worldnomads.com/ollo/32730/hunan.jpg" /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;PS Das slow boat in China wurde mir von einer Studentin aus Hunan zur Verfügung gestellt, womit für einmal ein nicht selbst aufgenommes Foto in dieses Journal Eingang fand.&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal" /&gt;</description>
      <link>https://journals.worldnomads.com/ollo/story/81918/China/Heimreise</link>
      <category>Travel</category>
      <category>China</category>
      <author>ollo</author>
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      <pubDate>Sun, 1 Jan 2012 23:04:00 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Bilanz</title>
      <description>&lt;p&gt;&lt;img src="https://s3.amazonaws.com/aphs.worldnomads.com/ollo/32730/IMG_0438.jpg"  /&gt;&lt;/p&gt;

 
  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Nach etwas mehr als 10 Monaten in Shihezi, Xinjiang, ist es
Zeit Bilanz zu ziehen, eine Gewinn- und Verlustrechnung anzustellen, die
Habenseite ins Auge zu fassen und was der Begriffe aus dem Rechnungswesen noch
mehr sein mögen. Die schleichen sich vielleicht auch deshalb hier ein, weil
vier meiner Studenten ebendies im Hauptfach studierten, &lt;span&gt;«&lt;/span&gt;Rechnungswesen&lt;span&gt;»&lt;/span&gt; oder &lt;span&gt;«&lt;/span&gt;Buchhaltung&lt;span&gt;»&lt;/span&gt;,
ich konnte nie herausfinden, wie &lt;span&gt;«&lt;/span&gt;accounting&lt;span&gt;»&lt;/span&gt; am besten zu übersetzen wäre.&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;Fest steht aber, dass die 15 Studenten, deretwegen ich nach
Shihezi gekommen war (um ihnen die schöne deutsche Sprache samt all ihren
Tücken etwas näher zu bringen und geradezu ans Herz zu legen) allmählich zu
meiner grössten Stütze wurden, meiner Kraftquelle und ganzen Freude. Ihr
Interesse, ihre Zuneigung und wie sie stets auf mein Wohl bedacht waren, werden
mir unvergesslich bleiben. &lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;Klar also, wo ich diese Erfahrung verbuche. Und nehme ich
noch jene vielen anderen guten Menschen hinzu, die ich in China kennen lernte –
ob näher oder nur flüchtig, sozusagen im Vorbeigehen (wobei darin keine Wertung
liegen soll, ist es doch auch so, dass ein Lächeln, ein Fingerzeig oder der
«Pinganguo» (Weihnachts- und Friedensapfel), den mir die Inhaberin des Ladens,
wo ich immer meinen Schlummertrunk gekauft habe am 24. 12. schenkte … dass
diese kleinen herzlichen Gesten einem den ganzen Tag versüssen können) – dann wäre
auch dem unbedarftesten Buchhalter des Alltags schon früh klar, dass das Konto &lt;span&gt;«&lt;/span&gt;Shihezi 2011&lt;span&gt;»&lt;/span&gt;
im Plus geschlossen wird.&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;Vielleicht habe ich überhaupt an Erfahrung gewonnen. Nicht
nur als Lehrer, sondern auch persönlich. Ich habe zum Beispiel gelernt, nicht
immer alles ganz genau wissen und verstehen zu wollen, mich eher mal ins
Unabänderliche zu schicken, und das Unabänderliche war nicht selten das Ungewohnte,
mir Unbegreifliche, Fremde (&lt;span&gt;«&lt;/span&gt;chinesische
Logik&lt;span&gt;»&lt;/span&gt;, sagten meine Studenten dann
manchmal, lachten verschmitzt, ich lachte auch, und wir verstanden uns). Dass ich
es nicht geschafft habe, innerhalb eines knappen Jahres zum Chinesen zu werden,
ist so verständlich wie bedauerlich. Hätte mir das doch in vieler Hinsicht und
sicher auch bei manchen Problemen des täglichen Lebens sehr geholfen.&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;Muss ich die chinesische Esskultur wie sie sich mir in ihrem
ganzen Reichtum zeigte noch einmal hier darstellen und würdigen, die unzähligen
Imbisse und Restaurants (was für eine Güte in der Breite!) noch einmal erwähnen,
daran erinnern, wie die Mahlzeiten noch jeden meiner Tage bereicherten und
beglückten? Nein, das muss ich eigentlich nicht, alleine das Essen dürfte Grund
genug sein, nach China zurückzukehren.&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;Es sind allerdings auch Verluste zu beklagen, angefangen bei
den Haaren. Wenn man in Wohnungen mit hellen, spiegelnden Steinfussböden wohnt,
auf denen jedes einzelne Haar zu sehen ist, das einem auszufallen beliebte und
wenn man zudem – denn bei einzelnen Haaren bleibt es ja leider nicht –
regelmässig ein ganzes Haarnest zusammenkehren musste, dann fragt man sich schon,
wohin das wohl führen wird. Und wird sich auch dadurch kaum beruhigen lassen,
dass andererseits ein paar Haare dazugekommen sind; graue nämlich. Wie man
überhaupt festhalten muss, dass so ein Arbeitsaufenthalt in China kein
Jungbrunnen ist. Man kann hier in einem Jahr gut und gerne drei Jahre älter
werden. Oder sagen wir besser: reifer. Das wird wohl auch damit zu tun haben,
dass in Shihezi kaum etwas im Alltag einfach war (für mich jedenfalls nicht)
und einfach so sein konnte wie in Europa, dass ein Gang zur Post eine
Herausforderung und der Kauf einer Fotokamera (ich musste mich leider von
meiner geliebten Canon digital IXUS 70 verabschieden) ein Unternehmen ist, das
nur mit fachkundiger Hilfe und viel Zeit zu bewerkstelligen ist.&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;Weitere Verluste: ein Mountainbike, ein Handschuh, einige
Vorurteile. Alles in Allem eine sehr gute Bilanz, denke ich.&lt;/p&gt;</description>
      <link>https://journals.worldnomads.com/ollo/story/81888/China/Bilanz</link>
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      <author>ollo</author>
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      <pubDate>Fri, 30 Dec 2011 17:55:00 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Photos: Peking (letzter Tag)</title>
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      <category>China</category>
      <author>ollo</author>
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      <pubDate>Thu, 29 Dec 2011 23:30:00 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Medien</title>
      <description>&lt;p&gt;&lt;img src="https://s3.amazonaws.com/aphs.worldnomads.com/ollo/32590/IMG_0318.jpg"  /&gt;&lt;/p&gt;

 
  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Nicht dass ich hier hinter dem Mond lebte, ich weiss, was
auf der grossen weiten Welt so vor sich geht, und selbst wenn in Baselland
irgendwo eine Scheune brennt, entgeht mir das nicht. Ebenso wenig, dass vor fünf
Tagen der grosse Führer Kim Jong-il, die Sonne bzw. Sonnenbrille der Menschheit
gestorben ist. Und während sich einer seiner Söhne anschickt, in die
Fussstapfen seines Vaters zu treten, stelle ich mir manchmal vor, meine 10
Monate als DaF-Lehrer statt in Xinjiang in Pjöngjang verbracht zu haben.&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;Auf swissinfo.ch berichtete neulich ein Schweizer Journalist
von einem Nordkoreabesuch. In dieser Reportage war u. a. davon die Rede, dass
Ausländer bei der Einreise ihr Mobiltelefon abgeben müssen, dass es in
Nordkorea kein Internet gibt und dass – aber das hat mit Medien eigentlich
nichts zu tun – selbst in der Hauptstadt Pjöngjang ewige Dunkelheit herrscht.
Die offenbar nur begrenzt zur Verfügung stehende Elektrizität wird, so der
Autor, abends und nachts vornehmlich zur Beleuchtung der zahlreichen Statuen
von Kim Jong-il benutzt.&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;span&gt;«&lt;/span&gt;Wie gut ich es hier doch
habe&lt;span&gt;»&lt;/span&gt;, dachte ich da, in Shihezi,
Xinjiang, in einer Provinz, wo zwar ab Juli 2009 ein Jahr lang das Internet tot
war, seither jedoch Bits und Bytes beinahe ungehindert und in alle Richtungen
durch die Breitbänder rauschen, dass es eine Freude ist (und wo die Strassen,
Plätze und vor allem Geschäfte, nebenbei bemerkt, ausreichend beleuchtet werden,
nur die derzeit spiegelglatten Bürgersteige und Radwege liegen nächtens in
beinahe vollständiger Finsternis.).&lt;/p&gt;

&lt;p align="baseline" class="MsoNormal"&gt;Zu meiner täglichen Routine gehört es, vom Sofa aus einen
Blick auf die Internetseiten schweizerischer und deutscher Zeitungen zu werfen
oder auch mal «China Daily» zu besuchen, aber das eher selten. Ich könnte nicht
sagen, dass ich in Sachen Information etwas vermisse (es sei denn, die
Möglichkeit, mit einer raschelnden und nach Zeitung riechenden NZZ, WOZ, TAZ
oder FAZ in einem Café zu sitzen und auf diese Weise (statt im www) die Zeit zu
verplempern.&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;img src="https://s3.amazonaws.com/aphs.worldnomads.com/ollo/32590/IMG_0317.jpg" /&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;Ich sagte eben &lt;span&gt;«&lt;/span&gt;beinahe
ungehindert&lt;span&gt;»&lt;/span&gt; und das nicht ohne Grund.
Muss man als Internetnutzer in China doch auf Facebook, Twitter, Youtube und so
gut wie alle Blogs verzichten. Auch landet man nach der Eingabe von Suchwörtern
wie &lt;span&gt;«&lt;/span&gt;Dalai Lama&lt;span&gt;»&lt;/span&gt;, &lt;span&gt;«&lt;/span&gt;Tiananmen&lt;span&gt;»&lt;/span&gt; &lt;span&gt;«&lt;/span&gt;Liu
Xiaobo&lt;span&gt;»&lt;/span&gt; usw. zuverlässig im Niemandsland
(&lt;span&gt;«&lt;/span&gt;Fehler: Verbindung unterbrochen&lt;span&gt;»&lt;/span&gt;) oder kriegt zwar eine Trefferliste, aber
kein Link funktioniert. Was soll’s, man kann auch prima ohne Facebook leben und
die Suchmaschinenzensur wird erst dann richtig ärgerlich, wenn man es sich nach
der wiederholten Eingabe von heiklen Begriffen bis auf Weiteres ganz verscherzt
hat. Dann kann man nämlich auch &lt;span&gt;«&lt;/span&gt;Gänseblümchen&lt;span&gt;»&lt;/span&gt; googeln und kriegt doch keine Ergebnisse
mehr. Strafe muss sein.&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;Um noch einmal auf Nordkorea und den Umstand, dass es dort
kein Internet gibt zurückzukommen. Vor ein paar Jahrzehnten war in dieser
Hinsicht ja überall Nordkorea. Wenn ich mir vorstelle, dass ich um 1990 während
einiger Monate in Xinjiang gearbeitet und keinen Zugang zu Zeitungen,
Zeitschriften und anderen Infokanälen gehabt hätte, auch keine Filme hätte
herunterladen können, keine Bilder verschicken und vor allem keine E-Mails
empfangen und senden, dass ich also auf den normalen Postweg angewiesen gewesen
wäre, wochenlang hätte auf Sendungen warten müssen, überdies meine Fotos nicht
nach jeder Aufnahme auf einem Display gehabt hätte, sondern in einer
umständlichen Prozedur hätte entwickeln und vergrössern lassen müssen – kurzum,
wenn ich mir all meine Kommunikations-, Informations-, Illustrations- und
Zerstreuungsdefizite vorstelle, an denen ich vor 20 Jahren in Shihezi gelitten
hätte … … … werde ich ob dieser verpassten Chance etwas traurig; nicht aus Lust
am Leiden, sondern um des Verlusts an Erfahrungstiefe, Kontemplation und
Sinnlichkeit willen, den all die digitalen Annehmlichkeiten eben auch
beinhalten. Man kommt heute ja kaum noch dazu, seinem inneren Nordkorea zu
begegnen.&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt; &lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt; &lt;/p&gt;</description>
      <link>https://journals.worldnomads.com/ollo/story/81743/China/Medien</link>
      <category>Travel</category>
      <category>China</category>
      <author>ollo</author>
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      <pubDate>Sat, 24 Dec 2011 15:28:00 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Namen</title>
      <description>&lt;p&gt;&lt;img src="https://s3.amazonaws.com/aphs.worldnomads.com/ollo/32590/IMG_1415.jpg"  /&gt;&lt;/p&gt;

 
  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Namen sind ein Problem in China, keine Frage, also chinesische
Namen für westliche Ohren, meine. Denen geht es gewöhnlich so, dass sie beim
Kennenlernen – wiewohl vorbereitet und sozusagen in Alarmbereitschaft – zwar
vernehmen, dass da was auf sie zukommt, die Silbengirlande, die schliesslich im
Hörzentrum eintrifft, aber nicht zu entwirren vermögen. Da hilft das Wissen
darum, dass in China der Nachname zuerst genannt wird, auch nicht viel. Und dass
es etwa 700 Familiennamen geben soll (für ein Volk von über 1.3 Milliarden!) – von
denen lediglich um die 20 sehr beliebt sind – ist auch nur auf den ersten Blick
hilfreich. Einer begrenzten Auswahl von Familiennamen steht nämlich ein Heer
zig zehntausender Zeichen gegenüber, die sich zu unendlich vielen Personennamen
fügen lassen. Aber auch das ist nicht das Hauptproblem. Das Hauptproblem ist so
einfach wie beschämend: Entweder ich verstehe die Namen nicht richtig oder ich kann
sie mir nicht merken.&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;Jetzt sind Chinesen aber gemeinhin sehr freundliche und
zuvorkommende Menschen, wissen um unsere Schwierigkeiten und geben sich daher
simple westliche Namen. Wie Lucy, Peggy, Sally, Sue … Michael, Brandon, Harry,
Lou … oder – so in einer ausschliesslich aus Chinesen bestehenden Deutschklasse,
die ich vor Jahren in Basel unterrichtete – Heinz, Hans, Horst usw., ich habe
nie rausbringen können, warum um die zwanzigjährige Chinesen ohne Not solch
altmodische Namen wählten.&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;Wie auch immer, in Shihezi ist mir erst spät eingefallen, diese
Hilfsbereitschaft zu erwidern und mir meinerseits einen schönen chinesischen
Namen zu geben. Dafür habe ich jetzt gleich mehrere. Einmal &lt;span&gt;«&lt;/span&gt;aò lì fú&lt;span&gt;»&lt;/span&gt;,
den ich auf der Suche nach &lt;span&gt;«&lt;/span&gt;Oliver&lt;span&gt;»&lt;/span&gt; über die sehr praktische Website &lt;a href="http://www.chinesisch-lernen.org/"&gt;www.chinesisch-lernen.org&lt;/a&gt;
ermittelte, wo man auf &lt;a href="http://www.chinesisch-lernen.org/vornamen/suche.html"&gt;http://www.chinesisch-lernen.org/vornamen/suche.html&lt;/a&gt;
seinen Vornamen auch geschmackvoll kalligraphieren lassen kann. &lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;Dann wurde mir von meinen Studenten ein ganzes Namensset
verliehen, was freilich erst nach reiflicher Überlegung und eingehender
Beratung geschehen konnte … bis dann vom Klassensprecher feierlich verkündet
wurde, dass man Wáng Lì Yán für angemessen halte. Was &lt;span&gt;«&lt;/span&gt;König&lt;span&gt;»,&lt;/span&gt; &lt;span&gt;«&lt;/span&gt;stehen&lt;span&gt;»,&lt;/span&gt;
&lt;span&gt;«&lt;/span&gt;Fels&lt;span&gt;»&lt;/span&gt;
bedeutet, man stelle sich also einen König (mich) vor, der von einem Fels herab
sein Reich überblickt. Oder sehnsüchtig in Richtung der Heimat Ausschau hält,
womit wir beim dritten Namen wären. Der wurde von meiner Chinesischlehrerin Pei
Bei angeregt und ist das chinesische Wort für Olivenbaum: gǎnlǎnshù.&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;In einem Lied gleichen Titels, das ich auch Pei Bei zu
verdanken habe, geht es um einen Olivenbaum, der fern der Heimat herumzieht,
obdachlos ist (wie die meisten Bäume) und gleich am Anfang sagt: &lt;span&gt;«&lt;/span&gt;Frag nicht, woher ich komme.&lt;span&gt;»&lt;/span&gt; Ich werde nicht müde, dieses Lied – das, man
mache sich nicht über mich lustig, schmerzensschön und von einigem Pathos
durchtränkt ist – zu hören und mir dabei nun eben einen heimatlosen Olivenbaum vorzustellen,
der sprechen kann.&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;a href="http://ting.baidu.com/player/index.html?__methodName=mboxCtrl.playSong&amp;__argsValue=1085111&amp;fr=mp3"&gt;http://ting.baidu.com/player/index.html?__methodName=mboxCtrl.playSong&amp;amp;__argsValue=1085111&amp;amp;fr=mp3&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;Und wenn ich schon über Namen zur Heimat gefunden habe …
diesen noch, &lt;span&gt;«&lt;/span&gt;Hallelujah&lt;span&gt;»&lt;/span&gt;,, ein (zufällig auch in Gefühlen schwelgendes)
Lied, das ich zu Hause in Basel schon hundertfach gehört hatte und das mir vor
Monaten, an einem heissen Sommerabend in Shihezi von jenseits der Strasse aus einer
Bar ganz unerwartet in meine Wohnung getragen wurde. Auch in einem Lied ist
Heimat, dachte ich da, es braucht nicht viel, sich zu Hause zu fühlen.&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;a href="http://music.sina.com.cn/yueku/s/18715.html"&gt;http://music.sina.com.cn/yueku/s/18715.html&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt; &lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;PS &lt;span&gt;  &lt;/span&gt;An der gelben
Geschäftsfassade mit dem einen ellenlangen Wort bin ich in meiner dritten Woche
in Shihezi vorbeigekommen, als ich noch &lt;i&gt;gar&lt;/i&gt;
keine Ahnung hatte und mir daher &lt;i&gt;alles&lt;/i&gt;
frisch zusammenreimte. Einen längeren chinesischen Familiennamen werde ich
nicht finden, sagte ich mir damals. Heute weiss ich, dass das viele Wörter sind
und dahinter eine Spielhalle steckt.&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal" /&gt;</description>
      <link>https://journals.worldnomads.com/ollo/story/81402/China/Namen</link>
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      <category>China</category>
      <author>ollo</author>
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      <pubDate>Fri, 9 Dec 2011 13:30:00 GMT</pubDate>
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      <title>Photos: Shihezi - vor dem Abschied</title>
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      <category>Travel</category>
      <category>China</category>
      <author>ollo</author>
      <comments>https://journals.worldnomads.com/ollo/photos/32590/China/Shihezi-vor-dem-Abschied#comments</comments>
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      <pubDate>Fri, 9 Dec 2011 13:08:00 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Feiertage</title>
      <description>&lt;p&gt;&lt;img src="https://s3.amazonaws.com/aphs.worldnomads.com/ollo/28272/IMG_1886.jpg"  /&gt;&lt;/p&gt;

 
  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Jetzt, da allerorten die Wochen und Tage bis zum Christfest gezählt
werden, in der Innenstadt Engel schweben und Sterne leuchten, da es auf den
pünktlich installierten Märkten von A wie Anis bis Z wie Zimt nach allem Möglichen
duftet und sich allmählich, spätestens aber wenn die Geschenke beisammen sind,
Besinnlichkeit breitmacht – ist davon in Shihezi, China, natürlich rein gar
nichts zu sehen und spüren.&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;Gut möglich, dass man in Peking, Shanghai, Chongqing, Tianjin
oder Qingdao zum Fest der Feste besser präpariert ist, dass dort
Adventskalender, Christstollen und Weihnachtskrippen aus Bethlehem feilgeboten
werden. Denn wo es, wie in Shanghai, ein Oktoberfest gibt, müsste doch auch so ein
Weihnachtsmarkt auf die Beine zu stellen sein.&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;Wirklich nötig wäre das aber nicht, hat China doch Feiertage
genug. Zwei Neujahrsfeste beispielsweise, eines am 01. 01. und – dem
chinesischen Mondkalender folgend – ein zweites im Januar/Februar, Frühlings-
oder Neujahrsfest geheissen, von der Bedeutung her etwa mit dem westlichen
Weihnachten vergleichbar. Weiter das Qīngmíng-Fest zum Gedenken der Ahnen im
April, der erste Mai, das Drachenbootfest im Juni, das Mond- oder Mittherbstfest
im September und der Nationalfeiertag natürlich, am ersten Oktober. Während
dieser Feste, die mal einen Tag, mal drei, aber auch, wie das Frühlingsfest,
eine ganze Woche oder zwei in Anspruch nehmen, hat ein Grossteil der Bevölkerung
frei. Das äussert sich dann unter anderem so, dass zum chinesischen Neujahrsfest
in den Zügen hierzulande etwa 230 Millionen Menschen unterwegs sind (wer sich
noch an meine nächtliche Zugreise nach Yining erinnert, wird verstehen, dass
ich da nicht unbedingt dabei sein muss).&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;Zu diesen allgemeinen Feiertagen kommen noch eine Reihe von
solchen, die aus sofort einsehbaren Gründen nicht für alle gelten können. Etwa
der Kindertag, der Jugendtag, der Frauentag usw., deren Früchte (ein halber
oder ganzer Tag frei) dann halt jeweils nur die ernten, die gemeint sind; ebenso
am Geister-, Singles- und Lehrertag, wobei deren Protagonisten (also Geister,
Singles und Lehrer), dann schon keine verbrieften Rechte mehr beanspruchen
können. Was nicht heissen soll, dass z.B. so ein Lehrertag (am 10. September)
nicht sehr ernst genommen würde. Meine Studenten beispielsweise liessen es sich
nicht nehmen, ein opulentes Abendessen in einem Restaurant zu organisieren, wo
ich dann reich beschenkt wurde und man versuchte, mich betrunken zu machen. Wer
als Lehrer oder Lehrerin einmal das Gefühl haben will die wichtigste und
wertvollste Person auf Erden zu sein, sollte um den Spätsommer herum nach China
kommen, im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses, versteht sich.&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;Hab ich einen wichtigen Feiertag vergessen? Bestimmt, man
kann in dieser Sache leicht mal den Überblick verlieren. Zumal China ja auch
noch 56 Minderheiten hat, die ihre zusätzlichen (und peinlich genau
eingehaltenen) Fest- und Feiertage haben, in Xinjiang hauptsächlich Uiguren,
und ich muss sagen, dass ich um die muslimischen Feste herum stets etwas missmutig
einherging, musste ich dann doch, z.B. während des Ramadan und des Opferfestes, auf
das köstliche Nan, auf offenwarme Brötchen und auf Lammspiesse verzichten.&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;Unnötig zu sagen, dass an den meisten Feiertagen und zu
allen traditionellen Festen bestimmte Speisen vorbereitet und dann gemeinsam,
am liebsten im Kreis der Familie, genossen werden. Einem Fremden wie mir will
es sogar scheinen, dass z. B. die Klebreisklösse (Zòngzi) beim Drachenbootfest
oder die zahlreichen, süssen wie salzigen Mondküchlein anlässlich des
Mitherbst- und Mondfestes in Wahrheit die Hauptsache des Festwesens sind, war
dies doch immer das erste (meinetwegen zweite), was ich zu hören bekam: Morgen
ist das Sowieso -Fest, dann essen wir immer …&lt;/p&gt;



&lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mondkuchen"&gt;http://de.wikipedia.org/wiki/Mondkuchen&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;</description>
      <link>https://journals.worldnomads.com/ollo/story/81185/China/Feiertage</link>
      <category>Travel</category>
      <category>China</category>
      <author>ollo</author>
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      <pubDate>Tue, 29 Nov 2011 10:35:00 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Hunde</title>
      <description>&lt;p&gt;&lt;img src="https://s3.amazonaws.com/aphs.worldnomads.com/ollo/30587/IMG_1920.jpg"  /&gt;&lt;/p&gt;

 
  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;span&gt;«&lt;/span&gt;Aber da essen sie
Hunde!&lt;span&gt;»&lt;/span&gt;, bekam ich vor der Abreise unter
anderem zu hören und das geradezu entrüstet, im &lt;span&gt;«&lt;/span&gt;Wie
kannst du nur&lt;span&gt;»&lt;/span&gt;-Ton. Inzwischen kann ich
das bestätigen, also dass in China auch Hundefleisch gegessen wird, ohne
allerdings selbst die Erfahrung gemacht zu haben; jedenfalls soviel ich weiss.&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;Dennoch und selbst auf die Gefahr hin mich tüchtig in die
Nesseln zu setzen, konnte ich die Entrüstung nicht ganz nachvollziehen, handelt
es sich doch bei der Entscheidung, welche Tiere man schlachtet und isst, um
eine gesellschaftliche Übereinkunft, nach der man im Westen Hunde als
Begleiter, Freunde und je nachdem Schosstiere betrachtet und sich weitgehend darin
einig ist, dass man seine Begleiter, Freunde und Schosstiere nicht aufisst.&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;In China scheint es aber durchaus möglich zu sein, Hunde
einerseits als Fleischlieferanten zu betrachten und andererseits als Gefährten
des Menschen, wobei ich hier die ungefähr selbe Tierliebe beobachte wie in
Europa. Man spielt mit Hunden, man spricht mit ihnen, sie werden gestreichelt
und geknuddelt; manchmal, wenn es sich um Streuner handelt, aber auch mit
Fusstritten oder Steinen verjagt.&lt;/p&gt;

&lt;p align="baseline" class="MsoNormal"&gt;Und sie werden auf Märkten verkauft, als mehr oder weniger
lebendige Tiere. An einem kühlen, grauen, regnerischen Sonntagvormittag war es,
als ich in Shihezi einen solchen Markt besuchte, der auf einem Gelände etwas ausserhalb
der Stadt regelmässig stattfindet. Dieser Markt wird mir wohl als etwas vom Traurigsten
in Erinnerung bleiben, was ich hier gesehen habe. Die grossen und kleinen,
teils verwahrlosten Hunde, die hier in Käfigen, auf Dreiradpritschen oder an
einem Baum festgebunden auf ihre Käufer warteten; die Männer, die in Gruppen
vor den Hunden, Katzen, Tauben, Ziervögeln und –fischen standen und das Angebot
tatsächlich in einer Art betrachteten und prüften, als wäre es nur Fleisch.&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;img src="https://s3.amazonaws.com/aphs.worldnomads.com/ollo/30587/IMG_1919.jpg" /&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;Einmal sah ich einen Mann, der Welpen verkaufte. Die waren,
ein Dutzend etwa, in einer viel zu kleinen Kartonschachtel zusammengepfercht,
und jedes Mal wenn eines der arglosen Kleinen Anstalten machte, aus dem Karton
heraus über den Rand zu lugen, kriegte es mit dem Handrücken eins auf den
Deckel. &lt;span&gt;«&lt;/span&gt;Was für ein böser und roher
Mensch du doch bist&lt;span&gt;»&lt;/span&gt;, dachte ich da und
heute tut es mir Leid, dass ich dem Mann nicht wenigstens auf Deutsch meine
Meinung gesagt habe.&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;Ob die Hunde dort nun für Haus und Hof oder nur für die Küche
bestimmt waren, weiss ich nicht, und auch meine Begleiter konnten das nicht mit
Bestimmtheit sagen. Wollen wir hoffen, dass Ersteres zutraf. Und den kühlen
Befund von vorhin (den nämlich, dass die Entscheidung Hundefleisch zu essen
kulturell und nicht moralisch zu betrachten sei) muss ich vielleicht doch noch
einmal überdenken. Aus ganz pragmatischen Gründen. Weil nämlich ein Tier, das
nicht nur als Fleisch betrachtet wird, viel bessere Chancen hat einigermassen anständig
behandelt zu werden, weil Schlachttiere (weiss Gott nicht nur in China)
bekanntlich unter teils miserablen Umständen gehalten werden.&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;Es soll übrigens ein chinesisches Sprichwort geben, das
sagt, man könne jedes Tier essen, dessen Rücken zur Sonne zeige. Aber muss man
das auch? Also ich nicht.&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt; &lt;/p&gt;

&lt;p align="baseline" class="MsoNormal"&gt;PS&lt;span&gt;   &lt;/span&gt;Die
Wahrscheinlichkeit, dass ich unwissentlich Hundefleisch gegessen habe, ist eher
gering. Es wird erstens in Südchina bevorzugt und gilt zweitens als Delikatesse
und/oder sehr gesund (wärmend). Was natürlich seinen Preis hat und wenigstens
mit den Preisen kenne ich mich inzwischen einigermassen aus. &lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;img src="https://s3.amazonaws.com/aphs.worldnomads.com/ollo/30587/IMG_0038_1.jpg" /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;
&lt;/p&gt;</description>
      <link>https://journals.worldnomads.com/ollo/story/80910/China/Hunde</link>
      <category>Travel</category>
      <category>China</category>
      <author>ollo</author>
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      <pubDate>Thu, 17 Nov 2011 12:05:00 GMT</pubDate>
      <slash:comments>2</slash:comments>
    </item>
    <item>
      <title>Gerüche</title>
      <description>&lt;p&gt;&lt;img src="https://s3.amazonaws.com/aphs.worldnomads.com/ollo/29847/063.jpg"  /&gt;&lt;/p&gt;

 
  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Was Wohlgerüche oder solche der üblen Art angeht, bin ich
hier in einer wenig aufregenden Umgebung, in einer Brache geradezu, wo meiner
Langnase kaum was Bemerkenswertes zugetragen wird. Mit einer Ausnahme, dem «Stinkenden
Tofu», von dem seinerzeit, als es ums Kino in Shihezi ging, schon die Rede war.
Ich habe ihn bei dieser Gelegenheit dem Horrorfilmgenre zugerechnet und bleibe
dabei. &lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;Von Peking ist mir Rauch in Erinnerung, wie im Herbst
(obwohl es Mitte Februar war), Dunst, Nebel, kurzum Smog. Und als ob es damit
nicht genug gewesen wäre, wurden auch Tage nach dem chinesischen Neujahrsfest
noch Raketen in den Pekinger Nachthimmel gefeuert, wurden zu jeder Tages- und
Nachtzeit Böller und Kracher entzündet. Von Peking her ist meiner Nase also noch
Schwarzpulver in Erinnerung, Kohle und Schwefel, wobei mir besonders letzteres
Element sehr passend zu sein scheint. Der Himmel war nämlich meist
schwefelgelb.&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;In Shihezi (wo die Luft im Vergleich zu jener der Hauptstadt
Kurort-Qualität hat, sich mit Beginn der Heizsaison – Kohlekraftwerke, vermute
ich – aber auch wieder verschlechtert) waren es dann und wann Blumen, die was
zu riechen gaben, Lavendel beispielsweise, der in Rabatten längs der Strassen
seinen Geruch verströmte. Oder die Rosen, unmittelbar vor eine Gas-Tankstation
gigantischen Ausmasses gepflanzt (die Mehrzahl der Autos fährt hier mit Gas,
sodass der ansonsten übliche städtische Abgasgestank auch entfällt), die tagsüber
von einer kilometerlangen Schlange roter und grüner Santana-Taxis belagert
wurde … während in der Nacht, wenn ich auf meinem Nachhauseweg an der nun
ausgestorbenen Tankstelle vorbeikam, die Rosen das Regiment übernommen hatten. &lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;Ansonsten olfaktorisch kaum was Nennenswertes, auch die
Menschen riechen nicht, ist es hier (das war mir schon in Peking aufgefallen)
doch nicht Brauch, sich mit Pafümwolken zu umgeben und Haare mit geruchlich
nicht minder aufdringlichem Gel zu beschweren. Was anfangs eine sehr wohltuende
Entlastung darstellte, mit der Zeit aber (der Mensch ist ja praktisch nie mit
dem zufrieden, was er gerade hat) als eintönig empfunden wird, sodass man sich
allmählich nach anregenden Gerüchen zu sehnen beginnt und – wie es mir neulich
in einem Lokal widerfuhr – durch die frisch gewaschenen, luftig duftigen Haare
einer Frau am Nebentisch von Dankbarkeit erfüllt und von Glücksgefühlen
überflutet wird.&lt;/p&gt;

&lt;p align="baseline" class="MsoNormal"&gt;Nur beim Essen geizt China mit Gerüchen nicht, hier kriegt
die Nase ordentlich was zu tun; wenn Gemüse, Fleisch und Fisch gebraten werden,
wenn Ingwer, Koriander, Knoblauch … Zitronenpfeffer und Kreuzkümmel aus
dampfenden Töpfen aufsteigen, wenn Saucen und Suppen stundenlang vor sich
hinkochen oder in Garküchen mit Teigfladen, frittierten Fleisch-, Fisch- und
Wurstspiessen, mit Maiskolben, Maronen und Süsskartoffeln hantiert wird, die Nudelgerichte
nicht zu vergessen und den Gemüsereis mit Lammhaxen – für wahrscheinlicher
hielte ich es, dass man vom Weltraum aus, statt der Chinesischen Mauer, eine
Bratfettwolke gewaltigen Ausmasses über dem Mittereich sehen könnte.&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;img src="https://s3.amazonaws.com/aphs.worldnomads.com/ollo/29304/IMG_2694.jpg" /&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;Beim «Stinkenden Tofu» aber («chòudòufu») fehlen mir die
Worte. Es ist ja auch wirklich schwer Gerüche (oder eben Gestank) zu
beschreiben, weshalb man sich gewöhnlich in Annäherungen und Vergleichen
ergeht. Wenn ich es genau bedenke, ist «Annäherung» in diesem Zusammenhang jedoch
der kreuzfalsche Begriff, verbreiten diese vergorenen Sojabohnenklumpen und
-blöcke, so sie den (nicht ohne Grund) luftdicht verschliessbaren Plastikboxen
entnommen wurden, augenblicklich einen höchst unangenehmen, kilometerweit
wahrnehmbaren Geruch, der, wie soll ich sagen … wie nichts anderes stinkt, was
eine Nase je am liebsten nicht gerochen hätte.&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;Dieser als Spezialität geltende und aus der Provinz Hunan
stammende Tofu verdankt seinen speziellen Geruch einer Gemüse- und Fischlake,
in der er wer weiss wie lange schwamm, und das ist vielleicht die Spur, Fisch …
und die Rinde gewisser Käsesorten, nach deren Berührung man sich sofort die
Hände waschen will … fauler Fisch und schmieriger, alter Käse, vielleicht kommt
man ihm damit recht nahe, dem «chòu» («stinken») «dòufu» (&lt;span&gt;«&lt;/span&gt;Tofu&lt;span&gt;»&lt;/span&gt;),
von dem ich – man mag das Feigheit nennen – leider keine direkte Ansicht
liefern kann, nur diesen Stand, wo er verkauft wird.&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;img align="bottom" src="https://s3.amazonaws.com/aphs.worldnomads.com/ollo/30587/IMG_0011.jpg" /&gt; &lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;PS&lt;span&gt;   &lt;/span&gt;Auf dem Stand
unten links – so erklärte mir eine aus Hunan stammende Studentin – steht etwas
über Mao Tsetung geschrieben (dessen Heimat auch Hunan war), und zwar, dass er,
der «chòudòufu», sein Leibgericht war.&lt;/p&gt;</description>
      <link>https://journals.worldnomads.com/ollo/story/80720/China/Gerche</link>
      <category>Travel</category>
      <category>China</category>
      <author>ollo</author>
      <comments>https://journals.worldnomads.com/ollo/story/80720/China/Gerche#comments</comments>
      <guid isPermaLink="true">https://journals.worldnomads.com/ollo/story/80720/China/Gerche</guid>
      <pubDate>Fri, 11 Nov 2011 13:31:00 GMT</pubDate>
      <slash:comments>0</slash:comments>
    </item>
    <item>
      <title>Mut (Feuertopf)</title>
      <description>&lt;p&gt;&lt;img src="https://s3.amazonaws.com/aphs.worldnomads.com/ollo/30587/IMG_0008_1.jpg"  /&gt;&lt;/p&gt;

 
  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Manchmal braucht es Mut in China und je nachdem nicht nur
ein Quäntchen, sondern eine tüchtige Portion. So wie vor Monaten, als ich in
Shihezi ein Lokal betrat, in dem ganz offensichtlich nur Gruppen versammelt
waren, um Tische, mit denen etwas nicht stimmte. Und das war dann der Moment,
da ich, wäre ich wirklich mutig gewesen, wieder hätte umkehren sollen, obwohl
mich eine resolute Bedienung schon zu einem dieser Tische führte, in deren
Mitte ein Loch klaffte. Und in dem lauerte ein mächtiger Gasbrenner auf seinen
Einsatz.&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;Der kam auch sogleich, von der Resoluten en passant ins Werk
gesetzt, mit einem «Bou» sprang der Brenner an. Dann wurde ein Yin/Yang-mässig zweigeteilter
Topf auf die Feuerstelle gesetzt, der auf der einen Seite eine blutrote, höllisch
scharf aussehende Flüssigkeit enthielt, auf der anderen eine Brühe, in der grob
geschnittene Gemüsestücke schwammen. Beide Flüssigkeiten begannen, durch die
Kraft des Feuers animiert, sofort zu blubbern. Und dann bemerkte ich auch endlich
die gut 20 Liter fassende, eigentlich unübersehbare Gasflasche direkt unter jedem
Tisch.&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;Wenn man, wie ich damals, etwas eingeschüchtert ist und nicht
weiter weiss, sieht man sich am besten ein wenig um. Den anderen Gästen schien
es prächtig zu gehen. Sie sassen fröhlich schwatzend um ihre Feuerstellen, präparierten
Holzspiesse mit Tofu, Fleisch, Würsten und Fisch, mit Kartoffeln, Kohl, Kraut und
Kräutern (rafften und rupften, schnitzten, schnitten und spiessten) oder holten
sich aus einem Kühlregal fixfertige Holzstecken, die dann in die dampfenden,
wogenden und leider auch tückisch spritzenden Brühen versenkt wurden … bis gar war,
was schmatzend verspeist werden sollte. &lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;Mich liessen derweil diese Gasbehälter unter den Tischen nicht
los (ob es in China wohl eine Art TÜV gibt, der die Installationen in
Feuertopfrestaurants regelmässig überprüft?), umso mehr, weil beim Essen munter
geraucht und gebechert wurde und einmal eine schon deutlich angetrunkene Frau
in einer exaltierten Runde ein Glas Báijiŭ (Schnaps) umstiess, worauf ein
Dicker am Tisch, der mir schon ganz hinüber zu sein schien, überraschend behände
abtauchte und offenbar die Gaszufuhr abdrehte. &lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;Dass ich schliesslich eher pflichtschuldig meine paar
Spiesschen in die unheimlichen Brühen tunkte, mich dann jedoch rasch dem vertrauten
Yanjing-Bier zuwendete (dazu aber aus nahe liegenden, das heisst, eigentlich
unter dem Tisch stehenden Gründen auf die obligate Selbstgedrehte verzichtete),
dass ich zusah, dieses teuflische Lokal, in dem ich mich nicht nur speziell einsam,
sondern auch an Leib und Leben bedroht fühlte, alsbald zu verlassen … wird man
vielleicht verstehen und mir nicht als Feigheit vor dem Feuertopf auslegen.&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt; &lt;/p&gt;

&lt;p align="baseline" class="MsoNormal"&gt;PS&lt;span&gt;   &lt;/span&gt;Inzwischen
besuchte ich, jeweils in Begleitung von Studenten, zwei weitere Restaurants
dieser Art, ungleich grössere, das eine muss weit über hundert Gästen Platz
geboten haben (der Geräuschpegel in einem Lokal in China ist übrigens mit jenem
in deutschen oder schweizerischen Gaststätten nicht zu vergleichen; es geht recht
lebendig zu hier, also geräuschvoll, das heisst, manchmal ohrenbetäubend). Dank
meinen Begleitern, die sich wie immer liebevoll um mich kümmerten, dank ihrer
Hinweise und Ratschläge und weil sie einfach da waren, wurden das richtig
schöne Abende. Nie allein zum huǒguō, hotpot, Feuertopf!&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;img src="https://s3.amazonaws.com/aphs.worldnomads.com/ollo/30587/IMG_0027.jpg" /&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal" /&gt;</description>
      <link>https://journals.worldnomads.com/ollo/story/79029/China/Mut-Feuertopf</link>
      <category>Travel</category>
      <category>China</category>
      <author>ollo</author>
      <comments>https://journals.worldnomads.com/ollo/story/79029/China/Mut-Feuertopf#comments</comments>
      <guid isPermaLink="true">https://journals.worldnomads.com/ollo/story/79029/China/Mut-Feuertopf</guid>
      <pubDate>Sun, 30 Oct 2011 11:32:00 GMT</pubDate>
      <slash:comments>1</slash:comments>
    </item>
    <item>
      <title>Herbst</title>
      <description>&lt;p&gt;&lt;img src="https://s3.amazonaws.com/aphs.worldnomads.com/ollo/30587/IMG_0061.jpg"  /&gt;&lt;/p&gt;

 
  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Der Sommer war grossartig, da gibt es nichts zu meckern.
Lang, sehr beständig, heiss – und dank der Tausenden von Bäumen in Shihezi doch
auch schattig und von einem Lüftchen umfächelt.&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;Wenn ich was zu bemängeln hätte (hat man ja praktisch
immer), dann das Fehlen eines Sees oder Freibades bzw. einer Freibadekultur,
die gibt es nach meiner Beobachtung hier nämlich nicht. Wo ich in der Stadt
oder etwas ausserhalb mal unter sengender Sonne auf ein Gewässer traf – dabei
denkend: wenn das jetzt in der Schweiz oder in Deutschland wäre, würden sich
sofort Dutzende ins erfrischende Nass stürzen – fühlte sich kein Einheimischer
versucht, auch nur Fuss oder Ellbogen ins Wasser zu tauchen (und es lag mir
fern, hierbei der Erste sein zu wollen). &lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;Der Herbst jedoch ist in Shihezi nicht gross anders als daheim.
Er leuchtet in allen Herbstfarben, giesst sein goldenes Licht über Stadt und
Land aus, über Felder und Wälder, Hügel und Berge; doch auch wenn die gute Sonne
tagsüber noch angenehm wärmt, nachts wird es schon empfindlich kalt. Einzig die
Heerscharen von Frauen und Männern, die Tag für Tag einen Strohbesen aufs
Fahrrad klemmen und zu ihren Einsatzorten fahren, Blätter zusammenkehren und in
Säcke packen (sehr zu bedauern sind sie, wenn dabei ein Herbstwind bläst und
sein grausames Spiel mit ihnen treibt), einzig sie – nebst den nach wie vor
vollkommen unverständlichen Schriftzeichen allerorten und ein paar Phänomen
mehr – erinnern mich noch daran in China zu sein.&lt;/p&gt;

&lt;p align="baseline" class="MsoNormal"&gt;Es gibt eine chinesische Redewendung, die mich die letzten
Tage beschäftigt hat: «Duō shì zhī qiū», wie immer ohne Gewähr. Zumal wenn ich
mich an die Übersetzung mache. Bis anhin klar ist zwar, dass «duō» viel, «shì»
Sache oder Angelegenheit und «qiū» Herbst bedeutet (während « zhī » keine
Bedeutung haben soll). Nach mehreren Telefonaten und etlichen Gesprächen mit
meinen besten Gewährsleuten kristallisieren sich nun folgende mögliche
Bedeutungen heraus: «Im Herbst gibt es viel zu tun», &lt;span&gt;«&lt;/span&gt;Ganz schön was los&lt;span&gt;»&lt;/span&gt;, «Es
passiert viel», «Unruhige Zeiten» und möglicherweise stets mit einer leicht
negativen Bedeutung. Ich erwähne diese anscheinend recht häufig benutzte
Redensart ja auch nur, weil sie was mit Herbst zu tun hat und nebenbei
illustriert, wie schwer ich es hier gewöhnlich habe in kurzer Zeit zu eindeutigen
Informationen zu kommen. Ausserdem gefällt mir eine mögliche Erklärung ihrer
Herkunft.&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;img src="https://s3.amazonaws.com/aphs.worldnomads.com/ollo/30587/IMG_0057.jpg" /&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;Im alten China sollen nämlich zu den üblichen
herbsttypischen Tätigkeiten wie ernten, Haus und Hof winterfest machen, über
die Endlichkeit allen Seins, Abschied, Tod und womöglich Wiedergeburt
nachdenken, Papierdrachen steigen lassen usw. usw., sollen zu diesen
herbstlichen Verrichtungen auch von Staatsseite das Eintreiben von Steuern, das
Einziehen der Rekruten und die Vollstreckung von Todesurteilen gekommen sein
(was zusammengenommen den negativen Bedeutungshof von «Duō shì zhī qiū»
hinreichend erklären würde). Wahrlich, im Herbst gab und gibt es viel zu tun;
und auch ein weiterhin viel beschäftigter, sich emsig der Verbreitung deutschen
Sprach- und Kulturguts widmender, auf dem äussersten Aussenposten wacker
kämpfender Schweizer … … weiss davon ein Lied zu singen. &lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt; &lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;PS&lt;span&gt;   &lt;/span&gt;Mein
Lieblingslied seit Monaten, hat was mit Kaffee zu tun: &lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;a href="http://www.tudou.com/programs/view/d4bmBN7nwBA/"&gt;http://www.tudou.com/programs/view/d4bmBN7nwBA/&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal" /&gt;</description>
      <link>https://journals.worldnomads.com/ollo/story/78714/China/Herbst</link>
      <category>Travel</category>
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      <pubDate>Mon, 24 Oct 2011 13:41:00 GMT</pubDate>
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    <item>
      <title>Photos: Herbst</title>
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      <link>https://journals.worldnomads.com/ollo/photos/30587/China/Herbst</link>
      <category>Travel</category>
      <category>China</category>
      <author>ollo</author>
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      <pubDate>Tue, 18 Oct 2011 22:04:00 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Mode</title>
      <description>&lt;p&gt;&lt;img src="https://s3.amazonaws.com/aphs.worldnomads.com/ollo/27524/IMG_1445_1.jpg"  /&gt;&lt;/p&gt;

 
  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Ein dem Alltag verpflichtetes Journal kann sich nicht mit
der hohen Mode beschäftigen. Die soll ruhig weiterhin über die Laufstege in Paris,
Mailand, Madrid usw. staksen (falls ihr danach ist, auch über jene in Peking,
Shanghai und Dalian), aber wir sind hier in einer Kleinstadt (nach chinesischen
Massstäben) am nordwestlichen Rand des Mittereichs, und obwohl es in Shihezi
ein luxuriöses Kaufhaus mit teuren nationalen und internationalen Marken gibt,
werden die auf den Strassen nicht gross sichtbar. &lt;/p&gt;

&lt;p align="baseline" class="MsoNormal"&gt;Dort macht sich zudem das Fehlen von Giganten wie H&amp;amp;M,
Zara, Mango usw. bemerkbar, die Fashion für wenig Geld unters Volk bringen.
Trotzdem sei an dieser Stelle vermerkt, dass auch in Shihezi recht viele Frauen
mittels ihrer Kleidung und etlichem Zubehör sich vorteilhaft darzustellen
versuchen, sich rausputzen und schön machen. Während die Männer kleidungsmässig
wie üblich eher dem Zweckmässigen zuneigen (Schutz vor Kälte,
Sonneneinstrahlung, allzu aufdringlichen Blicken), durchaus aber auch – vor allem
auf Seite der Jüngeren – Tendenzen in Richtung Kleidung als Schmuck und Zier
erkennen lassen. Was die Geschlechter dann ganz eint – auch hier vornehmlich bei
jungen Frauen und Männern bis um die 30 – ist eine ins Auge fallende Vorliebe
für Sportklamotten. In einer Trainingshose der Marke Addidas (&amp;quot;aididadi&amp;quot;!) oder Nike und
einer passenden Jacke dazu ist man hier ausser bei Hochzeiten immer gut
gekleidet.&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;img src="https://s3.amazonaws.com/aphs.worldnomads.com/ollo/29006/IMG_2245.jpg" /&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p align="baseline" class="MsoNormal"&gt;Im Übrigen stelle ich ein Faible fürs Grelle und nicht immer
Geschmackssichere (aber was ist schon guter Geschmack?) genauso wie fürs
Verspielte fest, wobei letztere Vorliebe sich nicht nur bei Kleidung und
Accessoires äussert, sondern darüber hinausgeht, auch Gebrauchsgegenstände einschliesst,
wahrlich den Alltag erfasst, das Wohnen und Arbeiten, ja sogar die Abfallbewirtschaftung.
Es liegt darin etwas Leichtes, kindlich Heiteres und eben Verspieltes, das mir
schon manches Mal kleine Frohmomente bescherte. &lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;img src="https://s3.amazonaws.com/aphs.worldnomads.com/ollo/29006/IMG_1956.jpg" /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Und apropos kindlich, damit wir dann das Thema Kleidung
abhaken können, Kinder bis im Alter von zwei oder drei Jahren tragen in China
Hosen, die hinten einen grosszügigen Schlitz haben und damit den Blick auf
einen Kinderpopo freigeben; wodurch ihre Eltern in der Lage sind, sofort auf
dringende Bedürfnisse zu reagieren, oft über dem Rinnstein des Trottoirs (chinesische
Mütter spüren angeblich ganz genau, wann ihr Kind muss und betrachten Windeln
mehrheitlich mit Misstrauen).

&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Aber eigentlich wollte ich mich heute auf Handtaschen beschränken
(Beschränkung ist schwierig, wenn der Abstand zum Gewohnten nach wie vor beträchtlich
ist), und zwar jene von Frauen und Männern. In dem Zusammenhang fällt zweierlei
auf. Erstens, dass es hier ganz normal zu sein scheint, wenn Männer wie ein
Hund seine eigene Leine ihren Frauen die Handtaschen nachtragen. Wobei es nicht
um eine männlich fürsorgliche Entlastung zierlicher Frauenschultern zu gehen
scheint, sieht man doch auch Ehemänner, Freunde oder Geliebte, die beispielsweise
ein winziges rosafarbenes, gelacktes Nichts, in das kaum mehr als ein Handy und
Taschentücher passen, über der Schulter hängen haben und dabei so tun, als sei
dies das Selbstverständlichste der Welt. &lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;Zweitens – und über diese Beobachtung freue ich mich
stillvergnügt – tragen hier einige wenige Männer (die gerne auch einen Audi A6,
einen BMW der 5er Reihe oder einen VW Touareg fahren) diese
Handgelenktäschchen, die bei uns Mitte der 70er Jahre aufkamen und dann Anfang
der 8oer, ganz zurecht, plötzlich verschwanden. Dass es so etwas noch gibt!&lt;/p&gt;</description>
      <link>https://journals.worldnomads.com/ollo/story/78131/China/Mode</link>
      <category>Travel</category>
      <category>China</category>
      <author>ollo</author>
      <comments>https://journals.worldnomads.com/ollo/story/78131/China/Mode#comments</comments>
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      <pubDate>Mon, 10 Oct 2011 15:14:00 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Preise</title>
      <description>&lt;p&gt;&lt;img src="https://s3.amazonaws.com/aphs.worldnomads.com/ollo/29006/398.jpg"  /&gt;&lt;/p&gt;

 
  &lt;p class="MsoNormal"&gt;In China lebt es sich billig, ist man versucht zu sagen, und
um davon einen Begriff zu geben, hier der Umrechnungskurs des Renminbi oder
Yuan: Für einen Euro gibt’s aktuell etwa 8.50, für einen Schweizer Franken 7
Yuan (umgekehrt kosten 10 Yuan etwas weniger als 1.20 Euro bzw. rund 1.40 CHF).&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;Und nun sind wir zur Beantwortung der hier meist gehörten
Frage bereit: «Duōshǎo qián …?» (Wie viel kostet …?). Ein paar Beispiele aus meinem
Warenkorb: Ein Nang (Fladenbrot) kostet in Shihezi 3.50 Yuan, 200ml Milch etwa
gleichviel wie ein Yoghurt, nämlich 2.50, ein Kilo Reis durchschnittlich 5
Yuan. Die in Xinjiang megatonnenweise produzierten Tomaten kauft man für ab
3.50 Yuan das Kilo. Äpfel kosten so um die 7 und Trauben – oh diese herrlichen,
kugelrunden, die ganze Süsse des Sommers bergenden Trauben! – je nach
Verkaufsstelle 5 bis 10 Yuan; auch hier fürs Kilo, wohlgemerkt.&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;Denkt man an Deutschland (oder an die bekanntermassen arg
teure Schweiz) sind solche Preise natürlich Zucker (9 Yuan/kg). Kaum anzunehmen,
dass man dort einen halben Liter Mineralwasser für ein paar Cent bzw. Rappen findet
(1.50 Yuan), eine Flasche goldgelbes Yanjing-Bier (0.568 l) für umgerechnet 4
Yuan, topmodische, d.h. grosszügigst gebleichte Bluejeans zum Preis eines
Kinoeintritts (montags) in der Schweiz: 100 Yuan, einen einfachen
Kugelschreiber zum Preis eines Mineralwassers (s.o.) und «Colgate»-Zahnpasta «crest
pro health» zum, ausgerechnet, Zuckerpreis.&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;Das Leben hier ist billig. Jedenfalls für einen Ausländer,
der überdurchschnittlich viel Geld auf sein Konto überwiesen bekommt (davon
aber auch ein paar Yuan als das, was er inzwischen seine &lt;span&gt;«&lt;/span&gt;lǎowài-fee&lt;span&gt;»&lt;/span&gt;
nennt (siehe unten), wieder unter die Leute bringt). Was Chinesinnen und
Chinesen anbelangt, na ja, ich will mich zwar, nur weil ich jetzt ein paar
Monate im Land bin, nicht zum Chinakenner aufschwingen, aber ich habe Ohren zu
hören und Augen im Kopf. Lese und beobachte, höre Klagen über stetig steigende
Preise, auch und gerade bei Nahrungsmitteln. Der Schweinefleischpreis etwa (ca.
30 Yuan/kg) sei in den vergangenen Jahren geradezu explodiert. Wenn es stimmt,
dass chinesische Haushalte etwa ein Drittel ihres Einkommens für Nahrungsmittel
ausgeben (Arme bis zur Hälfte) und wenn es zutrifft, dass das
Durchschnittseinkommen in China gegenwärtig bei monatlich um die 2000 Yuan liegt
(diese Schätzung betrifft städtische Einkommen, auf dem Land verdienen die
Menschen etwa ein Drittel davon), wenn man weiterhin in Betracht zieht, dass
eine 3-Zimmer-Wohnung in Shihezi (nicht in Shanghai, Peking usw.) mit 700 bis 800
Yuan pro Monat zu Buche schlägt – dann wird rasch klar, dass China vielleicht
doch nicht so billig ist.&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;In meiner zweiten Woche hier – ich war damals, auch und
gerade, was Preise betrifft, noch um einiges ahnungsloser als heute – habe ich
mir in einem kleinen Schuhladen ein Paar Halbschuhe gekauft. Nicht weil ich sie
besonders schön oder bequem fand (tatsächlich sind sie vielleicht eine halbe
Nummer zu klein), sondern weil ich froh war, endlich einmal Schuhe zu finden,
die die anscheinend ortsübliche Maximalgrösse (43) übertrafen. Als es ans
Bezahlen ging, fiel mir ein, dass man in China ja handeln darf (heute würde ich
sagen: muss), weshalb ich dem Ladenbesitzer – die Schuhe sollten 350 Yuan
kosten – &lt;span&gt; &lt;/span&gt;schliesslich drei
Hundert-Yuan-Scheine anbot, «Okay?» – «Okay», antwortete der sichtlich erfreute
Inhaber so prompt wie beschwingt, und in dem Moment wusste ich auch, dass ich
zu viel bezahlt hatte.&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt; &lt;/p&gt;

&lt;p align="baseline" class="MsoNormal"&gt;PS&lt;span&gt;   &lt;/span&gt;Ein
Herrenhaarschnitt 8 … eine Stunde Chinesisch-Unterricht 50 Yuan … ein Teller
Nudeln im Restaurant 10, ein Gericht mit Fleisch, Gemüse, Tofu und Reis ab 25 Yuan
… eine Tasse Bohnenkaffee im «coffee time» 20 Yuan, 50 Gramm «Drum»-Tabak
(halbschwarz) 45 Yuan … ein i-Phone (fake): 200 Yuan, ein Original i-Phone 4 in
einem Original Apple Store: 5000 Yuan&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;img src="https://s3.amazonaws.com/aphs.worldnomads.com/ollo/29304/010.jpg" /&gt;&lt;/p&gt;</description>
      <link>https://journals.worldnomads.com/ollo/story/77796/China/Preise</link>
      <category>Travel</category>
      <category>China</category>
      <author>ollo</author>
      <comments>https://journals.worldnomads.com/ollo/story/77796/China/Preise#comments</comments>
      <guid isPermaLink="true">https://journals.worldnomads.com/ollo/story/77796/China/Preise</guid>
      <pubDate>Sun, 2 Oct 2011 14:37:00 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Kung Fu</title>
      <description>&lt;p&gt;&lt;img src="https://s3.amazonaws.com/aphs.worldnomads.com/ollo/29006/585.jpg"  /&gt;&lt;/p&gt;

 
  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Eine simple Sprache ist dieses Chinesisch, ohne Artikel, wie
wir sie kennen, ohne Vergangenheit und Zukunft, ohne Konjugation und
Deklination. Wo der Deutschlernende für einen Satz wie «Morgen kaufe ich mir
einen Ledergürtel» schon ein beträchtliches Mass an Grammatik zur Hand haben
muss, kommt ein Chinesischschüler mit (ohne Gewähr) «Mingtiān wǒ mǎi pídài.» (Morgen ich
kaufen Ledergürtel) mit ein paar unbehauenen Wörtern zurecht.&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;Allerdings zeigt sich hier auch schon eine zweifache Hürde.
Erstens, dass zwischen dem Chinesischen und germanischen wie romanischen
Sprachen ein gehöriger Abstand besteht (ein Abgrund klafft), mit Ableiten
halbwegs bekannter Wörter oder Wortteile also Essig ist. Und zweitens wird man
diese lustigen Akzente bemerkt haben, die im Pinyin (einer offiziellen Hilfsschrift,
die es möglich macht, chinesische Zeichen in lateinischen Buchstaben darzustellen)
Vokale behüten und für insgesamt vier Töne stehen – einen gleich bleibend
hohen, einen ansteigenden, einen kurz fallenden und dann steigenden sowie einen
nur fallenden Ton (es gibt noch einen fünften, neutralen, dessen sich
unsereiner am liebsten immer bedienen würde).&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;Von meinen bisher 13 Chinesischstunden gingen die ersten
zwei für die Aussprache drauf, und ich könnte nicht sagen, dass das Thema damit
erledigt wäre. Allerdings habe ich einen gewissen Ehrgeiz bei der Wortbetonung
entwickelt, einen Enthusiasmus geradezu, das heisst, ein sogar körperliches Engagement.
Beim ansteigenden Ton beispielsweise (diesem Strich nach rechts oben), machen
mein Kinn und mein Hals diese Bewegung inzwischen automatisch mit; und beim fallend-ansteigenden
gleichfalls. Ich frage mich, ob ich mir das wieder abgewöhnen kann.&lt;/p&gt;

&lt;p class="MsoNormal"&gt;Nun gut, aber Sprache ist ja nicht nur Betonung (die jedoch,
bei nicht wenigen ansonsten identischen Silben, entscheidend ist). Sprache ist
auch sich austauschen und verständlich machen, ein Spiel und eine Lust. Bisher
kann ich (meinem Lehrbuch «SHORT-TERM SPOKEN CHINESE» folgend) schon so
nützliche Sätze wie «Ich kaufe eine Flasche Coca Cola.» sagen («Coca Cola» auf
Chinesisch, eins meiner Lieblingswörter: «kěkǒukělè»; weil bei dieser Übertragung
nicht nur ein gewisser Gleichklang zum Original hergestellt, sondern mit
«kěkǒu» («köstlich») und «kělè» («erfreulich», «reizend», «amüsant») auch eine
Bedeutung transportiert wird (wenngleich, meiner Meinung nach, eine falsche). Des
weiteren bin ich in der Lage, einige Fragen zu stellen. Zum Beispiel: «Was ist
das?», «Wo ist die Bibliothek?» oder «Gibt es in diesem Laden auch Kuhmilch?»&lt;/p&gt;

&lt;p align="baseline" class="MsoNormal"&gt;Diese meine simplen Fragen führen bei Einheimischen offenbar
zur Annahme, dass man sich mit mir unterhalten kann. Wirft man mir daraufhin doch
regelmässig in irrer Geschwindigkeit eine Reihe noch nie gehörter Wörter an den
Kopf, die auf mein Nichtverstehen hin keinesfalls langsamer wiederholt werden,
nur bedeutend lauter. Was mit meiner recht geduldigen Lehrerin im sozusagen
geschützten Rahmen leidlich funktioniert (nämlich auf vorbereitete Fragen
vorbereitete Antworten zu geben) geht auf der Strasse und im Lebensmittelladen stets
schief.&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;img src="https://s3.amazonaws.com/aphs.worldnomads.com/ollo/29006/586.jpg" /&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p align="baseline" class="MsoNormal"&gt;Wer immer in einer Kampfkunst erste Schritte machte, wird
sich vielleicht (in einer gar nicht so weit hergeholten Analogie) daran
erinnert fühlen. So lange man genau weiss, was das Gegenüber gleich machen
wird, ist es ein Leichtes zurückzuweichen und den Angriff angemessen zu
beantworten. Sobald der &lt;span&gt;«&lt;/span&gt;Gegner&lt;span&gt;»&lt;/span&gt; es sich aber einfallen lässt, etwas ganz
anderes zu tun (zu sagen), trifft er einen völlig unvorbereitet. Knocked out, k.o.
(jīdǎo), das ist mein Alltag. &lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;img src="https://s3.amazonaws.com/aphs.worldnomads.com/ollo/29006/587.jpg" /&gt;&lt;/p&gt;</description>
      <link>https://journals.worldnomads.com/ollo/story/77401/China/Kung-Fu</link>
      <category>Travel</category>
      <category>China</category>
      <author>ollo</author>
      <comments>https://journals.worldnomads.com/ollo/story/77401/China/Kung-Fu#comments</comments>
      <guid isPermaLink="true">https://journals.worldnomads.com/ollo/story/77401/China/Kung-Fu</guid>
      <pubDate>Thu, 22 Sep 2011 10:54:00 GMT</pubDate>
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