Killer in Lebanon
NEPAL | Thursday, 10 July 2008 | Views [104]
Welcome to LEBANON (4 Tage)
Datum: 17.06.08 – 20.06.08
Tag 1: Tripoli (a town full of islamic monuments and beautiful hillside houses)
Tag 2: Bcharré & Byblos (Valley views in Bcharré and Roman ruins in Byblos)
Tag 3: Baalbek & Beirut (Roman site in Baalbek & crazy nightlife in Sky Bar Beirut)
Tag 4: Jeita Grotto & Beirut (Day trip to the spectacular Jeita Grotto)
Vorwort
Libanon war früher auch als “Paris of the Orient” bekannt, hat aber in den letzten Jahren und v.a. auch in jüngster Vergangenheit immer wieder im Zusammenhang mit dem Konflikt zwischen Israel und der libanesischen Hezbollah („Party of God“) weltweit Schlagzeilen gemacht. Nur wenige Wochen vor meiner Reise ist der Konflikt mit Israel kurzzeitig erneut eskaliert, so dass auf der Homepage des schweizer EDA von „nicht dringenden Geschäfts- und Touristenreisen“ in den Libanon abgeraten wird. Nachdem ich (wegen meines Passproblems) schon nicht nach Israel einreisen konnte, wollte ich nicht auch noch eine weitere spannende Destination von meiner Reiseliste streichen. So habe ich spontan beschlossen, mich (dennoch) ins Land zu wagen und mich vor Ort über die aktuelle Sicherheitslage zu informieren.
Ankunft im Libanon
Libanon ist lediglich mehrere hundert Kilometer lang und rund 50-80km breit. Das Land wird eingekesselt vom Mittelmeer im Westen, Syrien im Norden und Osten sowie Israel im Süden. Da die Südgrenze zu Israel schon seit Jahren geschlossen und diese Grenzregion stark vermint ist, führt der Landweg in den Libanon für Touristen zwangsläufig via Syrien; entweder via Damaskus im Osten oder Homs/Aleppo im Norden. Von Palmyra in Syrien (wo ich die spektakulären römischen Ruinen besucht habe) wären beide Wege etwa gleich lang gewesen. Da ich am Weekend unbedingt das legendäre Nightlife in Beirut erleben wollte, lag es auf der Hand, den Beginn der Woche im Norden zu verbringen und erst aufs Wochenende südlich nach Beirut zu reisen.
Das Überqueren der Nordgrenze in der Nähe von Homs hat (auch mit meinem geflickten Pass) problemlos geklappt. Einmal mehr hat mein Name bei den Grenzbeamten ein Smile im Gesicht hervorgezaubert. Zu grosser Freude habe ich mit meinem finnischen Pass ein kostenfreies Visum erhalten (dieses Privileg haben auch Reisende von verschiedenen anderen europäischen Nationen). Dies war umso bedeutender, als ich das Visum in Lokalwährung hätte bezahlen müssen und all diese „Geldwechselhalunken“ ausserhalb des Immigration Office mir einen hunds-miserablen Kurs offerieren wollten....
Ankunft und Sightseeing in Tripoli
Der Weg von der Grenze nach Süden entlang von ein paar Palästinenser Zeltsiedlungen und mehreren zerbombten Städten nach Tripoli war im „speedy“ shared Taxi schnell absolviert. Bei der Suche nach einem Hotel in Tripoli bin ich per Zufall auf zwei Backpacker (wow..., somit war ich nicht der einzige, der sich in den Libanon gewagt hat...); d.h. einen Kanadier (Miles => da fällt mir immer meine „Miles&More Karte“ von der Swiss ein; auch wenn ich als Overlander die Karte natürlich kaum brauche...) und einen Franzosen mit algerischem Ursprung (Jamal) gestossen und habe mit ihnen spontan ein Dreibettzimmer geteilt...
Tripoli ist bekannt für die mittelalterliche Mamluk Architektur, einen riesigen Souq sowie als „the sweets capital of Lebanon“... Beim abendlichen Schlendern durch die Stadt konnte mich weder die Architektur noch der Souq wirklich begeistern, so dass ich meine Sightseeing Tour schon vorzeitig abgebrochen und mich ins Hotelzimmer zum relaxen begeben habe. Gekauft habe ich für wenige USD lediglich ein paar Plastik-„Schlarpen“. Da das Schuhe tragen schlecht für die Heilung meiner Blatter an der Ferse und das Flip-Flops tragen schlecht für die Genesung meiner Blatter zwischen den Zehen ist, hatte ich gehofft, mit den neuen Plastik-Schlarpen beide Wunden (welche ich mir beim Trek in Äthiopien zugezogen habe und seither nicht wirklich heilen wollten) gleichzeitig eine Heilungschance zu geben. Dieser Plan ging insofern in die Hosen, als ich mir mit den neuen Plastik Schlarpen innert kürze eine neue Blase auf dem Zehen zuzog und nun neu mit drei Wunden an den Füssen zu kämpfen habe...!!! Wow, welch Frust...!!!
Sightseeing in Bcharré (in den Bergen) und Byblos (Ruinen an der Küste)
Bcharré
Libanon mag zwar sehr klein sein, hat aber ähnlich wie die Schweiz sehr viele Facetten. Teil dieser (zumindest für mich unerwarteten) Facetten, sind die unzähligen Hügel und Berge im Lande, welche sich von der Küste ostwärts zur syrischen Grenze hinziehen. Nach dem Sightseeing „Frust“ in Tripoli wollte ich am Folgemorgen in das Bergdorf „Bcharré“ reisen. Der Lonely Planet beschreibt diesen Ort folgendermassen:
„The trip from Byblos to Bcharré takes you through some of the most beautiful scenery in Lebanon. The road winds along the mountainous slopes, continuously gaining in altitude and offering spectacular views of the Qadisha Valley. A Unesco World Heritage site, the valley is home to several old monasteries and hermits’ dwellings, and offers good trekking. Villages of the red-tile-roofed houses perch atop hills or cling precariously to the mountainsides; the Qadisha River, with its source just below the Cedars forest, runs along the valley bottom; and Lebanon’s highest peak, Qornet as-Sawda (3090m, towers overhead. It’s a truly magnificient area.”
Diesen Schwärmerein vom Lonely Planet kann ich mich nur anschliessen. Zu meiner Freude musste ich diese wunderschöne Region nicht alleine erkunden, da Jamal und Miles spontan ihre Reiseplanung geändert und mich nach Bcharré begleitet haben. So sind wir gemeinsam vom Dorfzentrum per Autostop mehrere Kilometer rauf- und runtergefahren, um Bcharré und das Qadisha Valley aus verschiedensten Perspektiven zu bestaunen. Rund 6km oberhalb von Bcharré befindet sich der „Cedars“ (= dt. XY) Wald, der früher auf all den Hängen oberhalb von 2000m zu finden war und heutzutage nur noch auf einer kleinen Fläche existiert. Die kleine Ortschaft rundum dem Cedars Wald ist voll von Chalets und Hotels, da im Winter auf dieser Höhe viel Schnee liegt und enstprechend Skitourismus herrscht. Tatsächlich konnten wir aus der Ferne ein paar Skilifte erblicken. Jeder erprobte Schweizer Skifahrer, wäre aber über die kurze Abfahrt und die fehlende Après Ski Bar enttäuscht gewesen...;-))))
Byblos
Nach einigen Stunden in Bcharré sind wir per Bus bereits zurück zur (Mittelmeer-) Küste nach Byblos gereist, da niemand von uns wirklich in der Laune für eine längere Wanderung in den Bergen war... Während Bcharré für die wunderschöne Berglandschaft bekannt ist, haben wir in Byblos ein gut erhaltenenes Crusader (=Kreuzritter?) Schloss aus dem 12. Jahrhundert und die umgliegenden römischen Ruinen (brauchte bei all den Steinhaufen schon einige Vorstellungskraft, wie die römische Siedlung damals ausgesehen haben könnte...) besucht. Da gemäss Lonely Planet selbst das billigste Hotel in Byblos > USD 15 war, haben wir spontan beschlossen, am späten Abend noch den Bus ins berüchtigte Beirut (lediglich 1h Fahrt entlang der Mittelmeerküste) zu nehmen...
Beirut: Downtown und crazy nightlife
Downtown und einige Hintergrundsinformationen
BEIRUT hat wahrlich einen klingenden Namen und gehört für mich u.a. neben New York, Moskau, Rio de Janeiro, Bombai, Tel Aviv und Lagos zu den berüchtigten Metropolen der Welt. Nicht verwunderlich sind viele dieser erwähnten (mondänen) Städte legendär für ihr Nachtleben und auch für die Riesen Kluft zwischen den superreichen- und superarmen Teil der Bevölkerung.
Beirut hat eine Bevölkerung von > 1 Mio und erstreckt sich über viele Kilometer sowohl entlang der Mittelmeerküste als auch von der Küste weg ins hügelige „Hinterland“. Das historische Stadtzentrum war in den 70er Jahren als „Paris of the Middle East“ bekannt; wurde aber im (Bürger-)Krieg in den 80er Jahren weitgehend zerstört und wird seit den 90er Jahren wieder kontinuierlich. Aus den Gesprächen mit der Lokalbevöllkerung habe ich erfahren, dass viele Libanesen während des Bürgerkriegs (ab 1975) zwischen dem muslimischen und christlichen Teil der Bevölkerung und der Besetzung des Landes durch Syrien (1976 – 2006) das Land verlassen und das Glück im Ausland versucht haben. Viele dieser Auswanderer haben sich im Ausland einen grossen Reichtum erarbeitet. So habe ich bereits im „Lifereport Senegal“ davon berichtet, dass grosse Teile von Dakar wirtschaftlich unter der Kontrollen der Libanesen steht (& sich die „Sprösslinge“ dieser Reichen in den teueren Clubs vergnügen...). Daneben gibt es auch eine grosse libanesische Community in Canada (v.a. Otawa), in Australien (in Sydney) und gewissen afrikanischen Ländern (nicht nur Senegal, sondern auch in schwarzafrikanischen Ländern wo der Diamantenhandel blüht...). Interessanterweise haben viele dieser Auswanderer den Traum nie aufgegeben, eines Tages permanent wieder ins (geliebte) Heimatland zurückzukehren. Zwischenzeitlich „begnügen“ sie sich jedoch – stabile Sicherheitslage vorausgesetzt – mit der mehrmonatigen Rückkehr pro Jahr und bauen hierfür prächtige (Ferien)Residenzen auf den Hügeln rundum Downtown Beirut. Bei einer Fahrt durch diese Villengegend bin ich aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen, denn die imposanten Behausungen an bester Lage hätten es locker mit den Villen der Hollywood Stars in „Beverly Hills“ und „Bel Air“ in Los Angeles aufnehmen können...
Jamal, Miles und ich haben in Beirut viel weniger fürstlich und stattdessen (einmal mehr) auf dem Dach eines Hotels übernachtet. Aufgrund den ungemeinen hohen Temperaturen in Beirut hätten wir nicht Mal freiwillig ein Dorm gewählt und waren happy unser eigenes Reich (es hatte nur 3 Betten) auf dem Dach zu geniessen. Da die Sonne jedoch bereits ab 06:00 ins Gesicht „brannte“, haben wir uns sogar einen kleinen Vorhang konstruiert, welchen wir – nach einer langen Nacht im Beirut‘s Ausgang – am Vormittag als „Sonnenschutz“ verwenden konnten...
Crazy Nightlife in Beirut
Natürlich ist Beirut für sein pulsierendes Nightlife weltbekannt. Während Jamal (aufgrund seiner franco-algerischen Abstimmung) als Moslem kein Biertrinker und kein grosser Nachtschwärmer ist, wollten Miles und ich natürlich das legendäre Nachtleben in Beirut uns nicht entgehen lassen. Um etwas Kraft und Geld zu sparen, haben wir uns am ersten Abend (=Mittwoch) gemütlich zwei Bier in Barzone entlang der „Rue Gouraud“ in Gemmayzeh (Nahe unseres Hotels) gegönnt und uns die „wilde Nacht“ auf Do und – falls genügend Kraftreserven vorhanden – Fr aufgespart... Wie wir sowohl aus dem Reiseführer wie auch von Locals vernommen haben, war in den besten Clubs in Beirut „Turnschuhverbot“. Dies war problematisch, da ich meine Ausgangsschuhe schon vor rund 6 Monaten in irgendeinem Land entsorgt habe, da der Nutzen der Schuhe (=Anzahl Tage/Nächte..., in denen ich die Schuhe getragen habe) zu den Kosten (=zusätzliches Gewicht, das ich tagtäglich auf dem Rücken trug) in keinem Verhältnis stand und auch Miles keine „ausgangstauglichen“ Schuhe mit sich trug... Den ganzen Tag hin- und herwägend, ob wir spontan etwas Shoppen und uns für den anstehenden Ausgang neu einkleiden sollten, sind Miles und ich am Do Abend spontan in ein Taxi gestiegen und haben uns zu einem Quartier mit billigen Schuhen bringen lassen. Ich konnte es dann kaum glauben, dass dort schöne Schuhe (welche ich in der Schweiz locker auch zum Anzug hätte tragen können) tatsächlich ab USD 10 (solch ein Modell hätte mich in der Schweiz selbst im Bata mind. CHF 100 gekostet) zu haben waren. In einen kleinen Kaufrausch kommend, haben wir nicht nur verschiedene Schuhe, sondern im Laden nebenan auch verschiedene Hemden durchprobiert... Wir waren hell begeistert, als wir beide neue Schuhe und ein Hemd für total USD 20 gekauft haben und im „Aufreisserlook par excellence“ uns bald in den Ausgang stürzen konnten...;-)
Um uns für die Big Night zu rüsten, haben wir uns nicht nur gestylt, sondern uns in der Hotellobby zum Aufwärmen ein paar Bier gegönnt und zeitgleich das EM Spiel zwischen xx und yy (wer hat am 19. Juni das erste viertelfinalspiel ausgetragen?) angeschaut. Danach haben wir uns ins Ausgangsquartier der „Rue Monot“ begeben; mussten aber feststellen, dass die beiden uns empfohlenen Clubs am Do Abend zu hatten... Als wir ein paar Mädels auf der Strasse nach einem coolen Club (der am Do offen hatte...!!!!) erkundigt habe, haben die uns prompt mitgenommen und uns vor dem „Crystal“ (Beschreibung Lonely Planet: „This is a very popular place that has set its sights firmly on the rich and the very rich, and caters to them with both food and wine, but when tables are cleared the club gets going. Despite an interior that’s plush and rather hideous, the music and atmosphere are oh-so-cool and also fun”) abgeladen. Unsere Euphorie kam aber jäh zum Stillstand, als uns der Türsteher kühl mitteilte, dass wir nicht auf der Gästeliste standen und uns deshalb der Eintritt verwehrt bleibe… Wow, welch ein Frust; da auch alle Überzeugungsarbeiten (von wegen, wir seien nur einmal im Leben in Beirut und der Club sei uns von sooooooo vielen Locals empfohlen wurden…) und Bestechungsversuche (der Eintritt war zwar gratis, wir waren aber nur zu gerne bereit, uns den Eintritt zu „erkaufen“...) nicht gefruchtet haben. Es konnte und durfte doch nicht sein, dass unsere ganze Vorfreude und unsere Shoppingausgaben für die Füchse gewesen waren und wir nicht in einen coolen Club reinkamen... Nachdem wir vom Türsteher zumindest den Namen einer anderen angesagten Lokalität erfahren haben, wollten wir den Kopf nicht hängen lassen und unser Glück zumindest noch in der „Sky Bar“ versuchen. Doch auch dort wurden wir vom Türsteher abgewiesen (grrrrrrrr...., ich „hasse“ diese „Gästelisten“....), konnten aber einen anderen Türstehen dann nach 5min Disukussion doch noch irgendwie überzeugen.... WOW, WAREN WIR ÜBERGLÜCKLICH!!! So sind wir vollem Enthusiasmus in den Lift gestiegen und damit auf das Dach des Gebäudes gefahren. Als wir aus dem Lift stiegen und den Eingang passiert haben (wie die meisten Clubs/Bars in Beirut war der Eintritt auch in der „Sky Bar“ kostenfrei...!!) konnten wir unseren Augen nicht trauen. Die Bar war open-air (mit bestem Blick aufs Mittelmeer), mit langen Bartresen, vielen Lounge Bereichen, mit Menschen prall gefüllt und hätte locker mit ähnlichen Open Air Bars in South Beach in Miami (dort gibts auch ein paar coole Lokalitäten und der Weg vorbei am Türsteher auch fast ein Ding der Unmöglichkeit...), NYC (wünschte damals wäre der USD Kurs nicht 1.7, sondern wie jetzt 1.0 gewesen...) oder der „Villa della Rosa“ ausserhalb von Rimini mithalten können. Die Stimmung unter den Leuten war sensational und richtig ansteckend. So ist Miles gleich an die Bar gestürzt und mit zwei Drinks zurückgekehrt. Die Drinks haben je wuchtige USD 15 gekostet (schweizer Verhältnisse lassen grüssen...), so dass wir danach unser Trinkkonsum aufs Minimum beschränkten (schliesslich wollten wir unser Backpackerbudget nicht gar zu arg belasten...) und stattdessen die Stimmung, die „Aussicht“ (...) und das Bad in der Menge genossen. Eine eigentliche Tanzfläche war nicht vorhanden, so dass an allen Ecken der Bar Leute zu guter Musik ihre Hüften am schwingen waren... Kurz nach 03:00 hatte die „Sky Bar“ geschlossen und uns ein mega Ausgangserlebnis in Beirut beschert. Beim Verlassen der „Sky Bar“ haben wir uns noch mit einigen Türsteher angefreundet, so dass wir am Abend danach (=Freitag) ohne Probleme wieder in dieses Traumlokalität hätten zurückkehren können...
Exkursionen rundum Beirut
Nachdem Downtown Beirut – mal abgesehen vom fantastischen Nachtleben – nicht viel zu bieten hat, haben wir uns v.a. auf die Gegend rundum Beirut konzentriert und diese auf Tagesausflügen erkundet.
Römische ruinen in Baalbek
„Known as the „Sun City“ of the ancient world, Baalbek ist the most impressive ancient site in Lebanon and arguably the most impressive Roman site in the Middle East. Its temples, build on extravagant scale that outshone anything in Rome, enjoyed a reputation as one of the wonders of the world. Today, the World Heritage listed site is Lebanon’s number one tourist attraction.” (Zitat Lonely Planet).
Der Besuch der römischen Ruinen in Baalbek (rund 2h von Beirut entfernt) war tatsächlich ein Highlight, auch wenn ich bereits zuvor manch andere römische Ruine in Jordanien und Syrien gesehen habe. Das Besondere in Baalbek war, dass die Tempelanlagen nicht auf einer riesigen Fläche verteilt, sondern geballt auf kleinem Gelände angeordnet und noch enorm gut erhalten sind. Das Sightseeing Vergnügen wurde lediglich dadurch getrübt, dass wir Balbeek in der prallen Mittagssonne besucht haben. Die Schuld hierfür mussten wir uns selbst zuschreiben, da wir alle (aber insbesondere Miles...) am Morgen etwas Mühe mit dem Aufstehen bekundeten...
Jeita Grotto
„For many, the Jeita grotto is oe of the highlights of Lebanon. Even those spoiled by other cave experiences, this one is impressive and it’s well worth the visit”. (Zitat Lonely Planet)
Völlig unerwartet, wurde nicht Baalbek, sondern der Besuch der Jeita Grotto zum grössten Highlight meiner Libanon Reise. Die massiven Ansammlung von Stalagtiten/Stalagniten, eine riesige Anzahl von farbenprächtige Gesteinsformationen sowie die mystische Bootsfahrt im unteren Teil der Höhle, haben mich wirklich aus dem Stuhl gehauen. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass es irgendwo auf der Welt eine fantastischere Höhle gibt, welchen dem breiten Publikum zugänglich ist; lasse mich aber gerne von fachkundigen Höhlenforschern des Besseren belehren...
Jeita liegt rund 18km nordöstlich von Beirut und lässt sich von Beirut durch eine Kombination von Bus und Taxi erreichen. Da Jamal an jenem Vormittag irgendwohin in Beirut entschwunden ist, sind Miles und ich zwar ohne Jamal, dafür aber mit einer Japanerin (welche uns im Hostel gefragt hat, ob sie sich uns anschliessen darf) in Richtung Jeita Grotto aufgebrochen. Da wir uns die Kosten für das Taxi sparen wollten, haben wir – einmal mehr – unser Glück als Anhalter versucht... Tatsächlich hat schon nach einer kurzen Wartezeit ein Auto angehalten, und uns Drei mitgenommen.
Wir haben dann nicht schlecht gestaunt, als wir auf dem Fahrer- und Beifahresitz zwei ältere Damen (Alter > 60 Jahre) erblickt haben... Ganz schön wagemutig für die beiden Damen, zwei unbekannte Männer und eine unbekannte Frau einfach so mitzunehmen... Na ja, doch wahrscheindlich scheint einmal mehr der Touristenbonus oder der Unschuldsblick der Japanerin die beiden Damen überzeugt zu haben... Obwohl die beiden Damen nur teilweise in unsere Richtung unterwegs waren, haben sie uns tatsächlich den ganzen Weg bis nach Jeita mitgenommen und wortwörtlich direkt neben dem Ticket Office abgeladen. Als wäre die Hinfahrt per Autostop und der spektakuläre Besuch der Höhle nicht schon Freude genug gewesen, hielt der Tag für uns noch weitere Highlights bereit. So hat uns für den Rückweg von der Höhle nach Beirut eine Familie in ihrem Range Rover mitgenommen. Da der Range Rover aufgrund den beiden Erwachsenen (ein Libanese und eine Kanadierien) den 4 Kids (ein Bube und drei Mädchen) auch ohne uns schon voll war, ist die Japanerin zu den 4 Kids auf die Rückbank und Miles und ich in den Kofferraum gestiegen. Im Gespräch mit der Familie hat sich herausgestellt, dass die Familie in Kanada lebt (na ja, da hatte Miles als ebenfalls Kanadier leicht ein Gesprächsthema gefunden...), der Vater aber Libanese ist und er dieses Jahr unbedingt auch den 4 Kids seine Heimat zeigen wollte. Da wir uns mit der Family derart gut verstanden, wurde uns spontan eine Sightseeing Tour mit dem Jeep offeriert, welche wir natürlich nicht ausschlagen konnten/wollten... So sind wir mit James (der Vater und somit das „Oberhaupt“ der Truppe....“) durch die hügelige Hinterlandschaft (und damit quer durchs Villen Gebiet) von Beirut gefahren und haben dabei ungemein viel interessantes über (die Geschichte von) Libanon und deren Bevölkerung erfahren. Seine Gastfreundschaft kannte keine Grenzen. So hat er uns in einem Restaurants zu Burgers, Pommes & Coke (als hätte er unseren Hunger bereits erwartet, hat er uns Herren gleich je zwei Burger bestellt...) und später auch noch in sein Elternhaus eingeladen... Spannend war auch der Besuch des Landstücks, wo der Spatenstich zum Bau seiner Ferienresidenz erst vor kurzem erfolgt ist. Wie viele im Ausland lebende Libanesen, hat auch er den Bezug zu seiner Heimat nie verloren und möchte nach der Fertigstellung des Baus jedes Jahr ein paar Wochen oder gar Monate in seinem Heimatland verbringen. Nach solch viel Erlebten hat uns James und seine Familie zurück in unsere Hotel in Beirut gefahren. Wow, wer hätte gedacht, dass die kleine Sightseeingtour mit der Family nicht 1h, sondern volle 5h dauern und solch spannend werden sollte. Quasi als Abschluss des Tages konnten wir es nicht lassen, James und seiner Familie (welche im Mövenpick Hotel direkt am Strand residierte) unser „Schlafreich“ auf dem Dach des Hotels zu zeigen. Ich bin sicher, dass v.a. James‘ kanadische Ehefrau (welche die Höhlen mit ihren „Stöggelischuhen“ besuchte..., sonst aber sehr sympathisch war...) es keine 5min ohne Luxuszimmer und ohne eigenes Badezimmer ausgehalten hätte. Dafür wären die 4 Kids (welche mega Spass an uns hatten...) sicher für jegliches Outdoor Abenteuer zu haben gewesen... Alles in allem war es wirklich ein perfekter Tag (Jamal hat was verpasst...), wenn auch ermüdender Tag. Somit war es kaum verwunderlich, dass Miles und ich an jenem (Freitag) Abend den Ausgang strichen (Party hatten wir ja bereits am Vorabend genug gehabt...) und uns auf den Schlaf freuten. Zuviel Schlaf wurde uns jedoch nicht gegönnt, da wir schon kurz nach 06:00 aufstanden und – nach 4 Tagen in Libanon – mit dem Bus zurück zur syrischen Grenze und weiter nach Aleppo (vgl. Lifereport Syrien) fuhren. Da Jamal nicht nordwärts, sondern südwärts (in Richtung Israel) wollte, musste wir von ihm Abschied nehmen und waren fortan (nur) noch zu Zweit unterwegs...
Abschliessende Bemerkungen: Sicherheitslage
Wie einleitends erwähnt, rät das EDA auf seiner Homepage derzeitig von Reisen in den Libanon ab. Da ich mich von dieser Reisewarnung nicht abhalten liess, war ich umso mehr darauf bedacht, mich vor Ort über die (Sicherheits-)lage zu informieren. Die Lage war während meinen 5 Tagen im Land sehr stabil und ich habe mich – nicht nur weil ich nicht alleine, sondern mit Jamal und Miles unterwegs war – jederzeit 100% sicher gefühlt. Die Panzer am Strassenrand und die starke Armeepräsenz sind (natürlich) kein alltägliches Bild; aber alles andere als furchterregend und schon viel eher eine Touristenattraktion...!!!
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